Die Frage nach der Sicherheit hormoneller Kontrazeption bei Lebererkrankungen ist ein klinisch relevantes, aber überraschend schlecht untersuchtes Thema. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Die vier Autorinnen bewerteten die verfügbare Evidenz zu verschiedenen Lebererkrankungen und deren möglicher Beeinflussung durch hormonelle Kontrazeptiva, sowohl kombinierte Präparate als auch Gestagen-Mono-Präparate. (Nathalie Kapp et al. Safety of hormonal contraception among women with liver disease: an updated systematic review. Contraception 2025; im Druck. DOI: 10.1016/j.contraception.2025.111012)
Für die fokal noduläre Hyperplasie wird die bisherige Auffassung bestätigt: In Studien ergibt sich kein Zusammenhang zwischen hormonellen Kontrazeptiva und diesen Veränderungen.
Bei hepatozellulären Adenomen zeigt sich ein definitiver Zusammenhang mit kombinierten ethinylöstradiolhaltigen Präparaten. In 5 Studien wurde eine Größenzunahme unter diesen Präparaten beobachtet, zudem führte ein Absetzen häufig zu einer Stabilisierung oder Rückbildung. Für Gestagen-Mono-Präparate sahen die Autorinnen interessanterweise keinen Zusammenhang – interessanterweise deswegen, weil die aktuelle DGGG-Leitlinie eine Kontraindikation für Gestagen-Mono-Präparate bei hepatozelluären Adenomen ausweist. Ich hatte darauf in einem anderen Zusammenhang in meinem Blog schon mal hingewiesen. (https://optimist-verlag.de/blog/2023/02/14/hepatozellulaere-adenome-und-gestagen-mono-praeparate/)
Weiter interessant ist auch die Recherche zu Hepatitiden. Die Autorinnen finden keinen Einfluss auf den klinischen Verlauf, weder bei akuter noch bei chronischer Hepatitis, wobei die Literatursituation mit 4 Studien sehr übersichtlich ist.
Zu autoimmunen Lebererkrankungen wie der primär biliären Cholangitis oder der primär sklerosierenden Cholangitis werden keine Ergebnisse angegeben, die Erkrankungen sind auch nicht im Studienkontext erwähnt, wurden insofern offenbar gar nicht erst untersucht.
Die Autorinnen weisen darauf hin, dass bzgl. des Risikos kombinierter Präparate nur Daten von solchen Präparaten mit Ethinylöstradiol vorliegen. Moderndere Kombinationen mit Östradiol, Östradiolvalerat oder Estetrol wurden bisher nicht untersucht. Es könnte sein, so die Autorinnen, dass solche Kombinationen möglicherweise ein günstigeres hepatisches Risikoprofil aufweisen. Daten dazu fehlen aber.
Ihr
Michael Ludwig
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