Kombinierte Kontrazeptiva erhöhen bekanntermaßen das Risiko für ischämische Schlaganfälle – wenn auch auf niedrigem absoluten Niveau. Gleichzeitig ist Migräne, insbesondere mit Aura, ein weiterer bekannter Risikofaktor. Eine Studie nutzte die Gabe von Triptanen als Proxy für eine Migräne und versuchte sich an der Frage, ob das Schlaganfallrisiko unter hormonellen Kontrazeptiva und Triptanen additiv erhöht wird. (Gasper Letnar et al. Stroke in combined hormonal contraceptive users treated with triptans. Contraception 2026; doi:10.1016/j.contraception.2026.111458)

In einer dänischen Registerstudie wurden 1,7 Millionen Frauen (18–49 Jahre) über den Zeitraum 2004–2021 analysiert. Darunter waren knapp 1 Million Anwenderinnen kombinierter Kontrazeptiva mit insgesamt 4,4 Millionen Personenjahren. Etwa 10 % dieser Frauen hatten Triptanverordnungen.

Bei Anwenderinnen kombinierter Kontrazeptiva war das Risiko für ischämischen Schlaganfall bei Anwendung von Triptanen um den Faktor 1,60 erhöht (incident rate ratio, IRR 1,60; 95 %-KI 1,33–1,92). Absolut entspricht das – je nach Alter – etwa 2 zusätzliche Fälle pro 100.000 Frauenjahre (18–24 Jahre) bzw. bis zu 42 zusätzliche Fälle pro 100.000 Frauenjahre (45–49 Jahre).

Der eigentliche Erkenntnisgewinn liegt jedoch im zweiten Analyseschritt: Die Autor:innen modellieren getrennt die Effekte von (1) kombinierten Kontrazeptiva, (2) Triptanen und (3) deren Kombination – und berechnen anschließend, ob die gemeinsame Wirkung über die Summe der Einzelrisiken hinausgeht.

Dabei wird ein Risiko von IRR 1,70 (95 % KI 1,54-1,86), IRR 1,22 (95 % KI 1,10-1,36) und IRR 2,61 (95 % KI 2,21-3,08) für kombinierte Kontrazeptiva, Triptane und die Kombination berechnet.

Die kombinierte Exposition führt zu einem zusätzlichen Risikoanstieg (IRR 1,26 über die additiven Effekte hinaus).  Das ist ein interessanter methodischer Kniff: Statt nur Assoziationen zu beschreiben, wird versucht, den Beitrag der einzelnen Faktoren zu entflechten – mit dem Hinweis auf eine echte Interaktion.

An der Stelle wird es pathophysiologisch interessant: Triptane wirken zwar vasokonstriktorisch, aber überwiegend extrakraniell; ein relevanter intrakranieller Effekt ist – wenn überhaupt – gering und wissenschaftlich laut der Autor:innen nicht überzeugend belegt.  Das macht einen direkten, medikamentösen Auslöser eines Schlaganfalls weniger plausibel.

Dazu passt ein weiteres zentrales Detail: Das Schlaganfallrisiko war bereits nach einer einzigen Triptanverordnung erhöht und nahm mit weiteren Verordnungen nicht weiter zu. Das spricht gegen einen klassischen Dosis-Effekt – und damit erneut gegen eine kausale Wirkung des Medikaments selbst.

Die naheliegende Interpretation: Triptane sind weniger Ursache als vielmehr Marker – für Migräne, möglicherweise auch für deren Schweregrad. Und genau diese könnte in Kombination mit kombinierten Kontrazeptiva der entscheidende Risikotreiber sein.

Ihr

Michael Ludwig