Eine Fall-Kontroll-Studie mit insgesamt 8.438 aktive Soldatinnen der US-Streitkräfte, davon 1689 mit Stressfraktur und 6.749 gematchten Kontrollen wurde dahingehend untersucht, ob hormonelle Kontrazeptiva mit einem höheren Frakturrisiko assoziiert waren. (Brenna Ryan et al. Contraceptive use and fracture risk in active-duty females – A case-control study. Contraception 2026; 153: 111239)

Dabei fanden sich in beiden Gruppen vergleichbare Anteile hormoneller Verhütung: Von den 8.438 Frauen nutzten 2.123 orale Kontrazeptiva, Pflaster oder Vaginalring, 341 ein IUD, 660 ein Implantat und 404 Depot-Medroxyprogesteronacetat (DMPA). Diese Daten beziehen sich jeweils auf Anwenderinnen, deren Nutzung innerhalb der zwei Jahre vor dem Referenzdatum lag – also vor der diagnostizierten Stressfraktur bzw. vor dem Matchingpunkt der Kontrollen. Eine getrennte Auswertung rein gestagenhaltiger oraler Pillen erfolgte nicht, alle oralen Präparate wurden gemeinsam mit Patch und Ring zusammengefasst.

Für die große Gesamtgruppe ergab sich nach Adjustierung kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko hormoneller Kontrazeption. Das gilt sowohl für Anwenderinnen mit kürzerer Dauer als auch für die Mehrheit mit weniger als einem Jahr Exposition. Zwar zeigte sich für das Nutzungsintervall von 2–3 Jahren unter oralen Präparaten/ Pflaster/ Ring ein deutliches Signal (aIRR 2,17; 95 % KI 1,10–4,28), doch dieses war zeitlich begrenzt und bestand weder bei kürzerer noch bei längerer Anwendung. Daher ist die Schlussfolgerung der Autor:innen nachvollziehbar, dass über die Gesamtdaten betrachtet sich kein erhöhtes Stressfrakturrisiko unter hormoneller Kontrazeption ergibt.

Bemerkenswert ist auf den ersten Blick die Bewertung von Depot-Medroxyprogesteronacetat, da frühere Studien konsistent ein erhöhtes Frakturrisiko zeigten. Hier hingegen fand sich kein erhöhtes Risiko, was jedoch vor allem methodisch erklärbar ist: Von den 404 DMPA-Anwenderinnen nutzten lediglich 7–8 Frauen länger als ein Jahr. Die kritische Zeitdauer (> 4 Jahre) wird also gar nicht erfasst. Die exakte Zahl der Anwenderinnen bleibt aufgrund kategorisierter Auswertung ungenau; klar ist jedoch, dass die exponierte Gruppe mikroskopisch klein war. Das heißt: Diese Studie kann DMPA nicht valide beurteilen – sie bildet das Risikofenster nicht ab.

Trotz großer Fallzahl ist die Aussagekraft begrenzt: Abgebildet wird nur die aktuelle Anwendung oder maximal ~2 Jahre zurückliegende Nutzung, spätere Effekte bleiben unsichtbar. Es gibt weder Informationen zur Frakturrate nach längerer hormonfreier Zeit noch zur Knochendichteentwicklung. Auch eine getrennte Auswertung von Kombinationspräparaten vs. reinen Gestagenpräparaten fehlt. Damit bleibt das Gesamtergebnis formal beruhigend, aber klinisch eher dünn. Insofern hilft uns diese Studie zur Beantwortung einer immer wieder mangels valider Daten kritisch diskutierten Frage nicht weiter.

Ihr

Michael Ludwig