In der bisher größten Analyse zur Sicherheit verschiedener IUD-Typen wurden die Daten von über 1,5 Mio. Frauen in Frankreich (2018–2022) ausgewertet. Im Fokus stand das Risiko einer ektopen Schwangerschaft unter Kupferspiralen sowie unter drei unterschiedlich dosierten levonorgestrelhaltigen IUDs (LNG-13,5 mg / 19,5 mg / 52 mg). Die follow-up-Auswertung erfolgte im ersten Jahr und – in einer Sensitivitätsanalyse – bis zu 3 Jahre nach Einlage, was insbesondere deshalb interessant ist, weil nur das 13,5-mg-IUD für diesen Zeitraum zugelassen ist. Die Publikation wird von einem Editorial begleitet. (Noémie Roland N. et al. Intrauterine Devices and Risk of Ectopic Pregnancy. New England Journal of Medicine Evidence 2025;4(12). DOI: 10.1056/EVIDoa2500117. Marissa S. Weiss & Kurt T. Barnhart Progestin IUDs and Ectopic Pregnancy — A Call for Context, Not Concern.Editorial. New England Journal of Medicine Evidence 2025;4(12).
Das adjustierte Risiko für die Ektopie-Raten nach 1 Jahr Nutzung pro 100 Personenjahre wurde wie folgt
Errechnet.
| IUD-Typ | Extrauterine Gravidität nach 1 Jahr pro 100 Personenjahre |
| LNG 13,5 mg | 0,18 |
| LNG 19,5 mg | 0,10 |
| LNG 52 mg | 0,04 |
| Kupfer-IUD | 0,07 |
Die Ektopie-Kumulativrisiko bis 3 Jahre betrug:
| IUD-Typ | Extrauterine Gravidität nach 3 Jahren pro 100 Personenjahre |
| LNG 13,5 mg | ≈ 0,20 |
| LNG 19,5 mg | ≈ 0,11 |
| LNG 52 mg | ≈ 0,05 |
| Kupfer-IUD | ≈ 0,11 |
Das Muster bleibt konstant: Das niedrig dosierte 13,5-mg-IUD weist die höchste Rate ektoper Schwangerschaften auf, gefolgt von 19,5 mg und Kupfer, während das 52-mg-System am niedrigsten liegt – sowohl nach 1 Jahr als auch in der 3-Jahres-Analyse.
Diese Werte sind adjustiert für Alter, Vorerkrankungen, Tubenpathologie, STI-Vorgeschichte, Parität und diverse soziale Variablen. Die Unterschiede beruhen daher nicht nur auf dem Nutzerinnenprofil, sondern auf einem relativ robusten statistischen Vergleich.
Zwei Mechanismen stehen im Editorial im Vordergrund: Verhütungswirksamkeit vs. Tubenphysiologie. Höher dosierte LNG-IUDs führen häufiger zur Ovulationshemmung und verhindern die Befruchtung/ Implantation effektiver, einerseits durch die Wirkung auf den Zervixmukus, andererseits durch die starke endometriale Wirkung. Das gilt bei 52 mg LND IUDs insbesondere für die ersten 24 Monate, was genau in die Beobachtungsphase fällt. Niedrig dosierte Systeme wirken schwächer – und könnten tubare Transportprozesse beeinflussen, ohne die Fertilisation zuverlässig zu verhindern.
Je niedriger die LNG-Dosis, desto höher war der Anteil ektoper Verläufe pro eingetretener ungewollter Schwangerschaft. Diese Rate betrug 6,8 %, 4,1 %, 1,7 % und 2,0 % für die 13,5 mg, 19,5 mg und 52 mg LND IUDs bzw. die Kupferspiralen. Für die hochdosierten LNG IUDs und Kupferspiralen liegt die Extrauterinrate insofern im Bereich des Grundrisikos der Allgemeinbevölkerung.
Trotz der hohen kontrazeptiven Sicherheit muss man bei IUDs – LNG wie Kupfer – dennoch mit Extrauterinschwangerschaften rechnen. Das Risiko dafür ist umso höher, je niedriger dosiert das LNG IUD ist. Während man bei 52 mg LNG IUDs und Kupferspiralen von einem Risiko im Bereich des normalen Risikos ausgehen kann, ist dies bei niedriger dosierten IUDs 2-3-fach höher.
Ihr
Michael Ludwig
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