Viele Frauen nehmen in der 5. und 6. Lebensdekade Gewicht zu, u.a. ist eine relevanter Risikobereich die zentrale Adipositas oder eine zentrale Gewichtszunahme („Bauchfett“). Neben den klaren Daten zu Gewicht als Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse und Diabetes mellitus gibt es Überlegungen zu einem Zusammenhang mit der kognitiven Funktionen.
Genau das hat eine Sekundäranalyse der KEEPS-Cog-Daten untersucht – und kommt zu einem wichtigen Befund: Schon bei vergleichsweise gesunden, kardiovaskulär „low risk“ Frauen ist eine ungünstige Fettverteilung messbar mit schlechterer Kognition assoziiert. (Taryn T. James et al. Association between central adiposity and cognitive domain function in recently postmenopausal women: an analysis from the KEEPS-Cog substudy of the Kronos Early Estrogen Prevention Study. Menopause 2026;33:im Druck. DOI: 10.1097/GME.0000000000002666)
Die KEEPS / KEEPS-Cog ist eine randomisierte, doppelblinde Studie zur menopausalen Hormontherapie bei jüngst postmenopausalen Frauen. Ausgewertet wurden 693 von 727 Frauen (42–58 Jahre, median ~1,4 Jahre nach der Menopause), ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung, ohne Diabetes mellitus, BMI < 35 kg/m2).
Die Gabe eines Placebo (n = 262) wurde gegen eine orale kombinierte Therapie mit 0,45 mg konjugierten Östrogenen und zyklischem Progesteron (n = 220) oder transdermalem Östradiol (50 µg) und zyklischem Progesteron (n = 221) verglichen. Progesteron wurde über 12 Tage mit 200 mg täglich im Zyklus gegeben.
Die Waist-to-Hip-Ratio (WHR) wurde zu vier kognitiven Domänen ins Verhältnis gesetzt (Tests zu den Zeitpunkten 0, 18, 36, 48 Monate).
Eine höhere WHR war querschnittlich mit schlechteren Leistungen in allen vier kognitiven Domänen assoziiert. Weder die orale Therapie mit konjugierten Östrogenen noch die transdermale Therapie änderten diese Zusammenhänge.
Die Daten sind mehr als spannend – finde ich. Sie werfen ein relativ neues Licht auf einen primär nicht offensichtliche Zusammenhang. Der Hintergrund dieser Beobachtung ist wahrscheinlich weniger eine Kausalität als eine Assoziation: Die Assoziation von Lebensstilfaktoren (Bewegung, Ernährung) mit der mentalen Gesundheit. Kausal könnte allerdings das viszerale Fett selbst über die Insulinresistenz und inflammatorische Prozesse sein. Diese Bedeutung einer erhöhten WHR ist insofern spannend, als dies unabhängig von einer Insulinresistenz (HOMA IR) zu beobachten war. Daher wird in dieser Arbeit die WHR als Frühmarker des Risikos tituliert. Ein anderer wichtiger Punkt: Die menopausale Hormontherapie änderte nichts – egal ob oral oder transdermal, egal ob konjugierte Östrogene oder körpereigenes bioidentisches Östradiol.
Ihr
Michael Ludwig
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