Frauen, die wegen einer venösen Thromboembolie antikoaguliert werden, stehen in der Verhütungsberatung vor einem Dilemma: Sie brauchen eine zuverlässige Kontrazeption – Schwangerschaften unter Vitamin-K-Antagonisten (Phenprocoumon, Marcumar) oder neuen oralen Antikoagulantien (Apixaban, Rivaroxaban, Eodxaban, Dabigatran) sind wegen des erhöhten Risikos von Fehlbildungen kontraindiziert – gleichzeitig besteht die Sorge, hormonelle Methoden könnten das Rezidivrisiko erhöhen oder Blutungen verstärken.
Ein aktueller systematischer Review fasst die Evidenz neu zusammen. (Antoinette T. Nguyen et al. Safety of contraception among women using anticoagulant therapy: an updated systematic review. Contraception 2025; im Druck: DOI 10.1016/j.contraception.2025.111276)
In 14 Studien, darunter die bekannte EINSTEIN-Analyse, fand sich kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Rezidivthrombosen bei Frauen, die unter therapeutischer Antikoagulation kombinierte oder Gestagen-Mono Präparate verwendeten. Diese Analyse wurde 2016 publiziert. (Martinelli et al. Recurrent venous thromboembolism and abnormal uterine bleeding in women receiving anticoagulant therapy for venous thromboembolism and hormonal therapy. Blood 2016;128(6): 1003–1009. DOI: 10.1182/blood-2016-02-698357)
Auch pharmakokinetische Interaktionen zwischen oralen Kontrazeptiva und Antikoagulanzien wurden nicht beobachtet.
Eine Hypermenorrhoe unter oraler Antikoagulation wird v.a. durch LNG IUDs signifikant gesenkt.
Die deutsche S3-Leitlinie „Hormonelle Empfängnisverhütung“ (AWMF 015/015, 2019, aktuell in Überarbeitung) hatte diese Kernaussagen schon vorweggenommen. Sie empfiehlt: Unter laufender Antikoagulation können kombinierte hormonelle Methoden weitergeführt werden. Östrogenfreie Präparate gelten als bevorzugte Optionen mit Ausnahme von Depot-MPA wegen einzelner Hinweise auf erhöhte Thromboembolieraten.
Nach Absetzen der Antikoagulation muss auf eine östrogenfreie Methode umgestellt werden.
Ihr
Michael Ludwig
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