Zuverlässigkeit ist eines der Hauptargumente bei der Wahl der Verhütungsmethode –wie verlässlich sind die gängigen Methoden? Eine aktuelle Übersicht fasst die aktuelle Evidenz zusammen. (Chelsea B. Polis et al. Contraceptive effectiveness: a synthesis of the literature. Contraception 2025; im Druck: DOI 10.1016/j.contraception.2025.111282) Grundlage ist das Standardwerk Contraceptive Technology (22. Auflage), ergänzt um neue Studien aus den USA und 15 weiteren Ländern.
Ein relevanter Punkt für die Autor:innen ist, dass der oft zitierte Pearl-Index, also die Zahl der Schwangerschaften pro 100 Frauen und Jahr, die reale Wirksamkeit vieler Methoden nur unzureichend abbildet. Grund für die Einschätzung ist, dass der Pearl-Index annimmt, dass das Risiko über die gesamte Zeit konstant bliebe. Das ist insofern eine unrealistische Annahme, weil diejenigen Frauen, die frühzeitig schwanger werden, aus der Risikokalkulation entfallen. Dadurch erscheinen nachfolgende Monate verzerrt sicherer. Kürzere Studien unterschätzen die Sicherheit einer Methode, längere überschätzen sie eher.
In dieser Publikation werden daher Life-Table-Analysen bevorzugt, die Monat für Monat berechnen, wie viele Frauen tatsächlich noch exponiert sind, und daraus die kumulative Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft ableiten. Dieses Verfahren erlaubt erstmals wirklich vergleichbare Daten – unabhängig davon, wie lange eine Studie lief oder wie viele Teilnehmerinnen sie beendeten.
Lang wirksame reversible Methoden (LARC) – Hormon- und Kupfer-IUDs sowie Implantate – führen bei typischer Anwendung in weniger als 1 % der Fälle pro Jahr zu einer Schwangerschaft. Ihre Wirksamkeit ist damit zehn- bis zwanzigfach höher als die von kurz wirksamen hormonellen Methoden, schlicht weil keine Anwenderinnenfehler möglich sind.
Kurz wirksame Methoden – oral, Ring oder Pflaster – liegen bei fehlerfreier Anwendung ebenfalls unter 1 %, im Alltag aber zwischen 3 % und 8 %.
Barrieremethoden (Kondom, Diaphragma) erreichen unter Alltagsbedingungen Versagerraten von 8 % bis 15 %.
Die Autor:innen warnen dennoch vor einer rein „effektivitätsgetriebenen“ Beratung. Verhütung sei nicht automatisch besser, nur weil sie statistisch sicherer ist – entscheidend bleibe, dass sie zur Lebenssituation, zu den Werten und zur Autonomie der Nutzerin passt. Ein, wie ich finde, exzellentes Statement!
Ihr
Michael Ludwig
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