Frauen mit Sichelzellanämie stellen in der kontrazeptiven Beratung eine besondere Risikogruppe dar. Ihre Grunderkrankung ist nicht nur mit hämolytischer Anämie und Schmerzkrisen verbunden, sondern auch mit endothelialer Dysfunktion, chronischer Inflammation und Hyperkoagulabilität. Insofern ist das Risiko für venöse und arterielle Thrombosen – insbesondere Lungenembolien und ischämische Schlaganfälle – ist bereits ohne hormonelle Kontrazeption deutlich erhöht in der Literatur werden Raten von bis zu 25 % für eine Thrombose oder Embolie bis zum Alter von 30 Jahren und von 2 % bzw. 14 % für einen Schlaganfall bis zum Alter von 20 bzw. 60 Jahren angegeben. Zudem sind Osteopenie und Osteoporose häufig, verursacht durch chronische Hypoxie, Knochenmarkhyperplasie und den katabolen Effekt wiederholter Krisen.

Die aktuelle Datenlage zur Kontrazeption bei Frauen mit diesem Krankheitsbild ist Thema eines Reviews. (Antoinette T. Nguyen et al. Safety of hormonal contraception among women with sickle cell disease: an updated systematic review. Contraception 2025; im Druck: DOI 10.1016/j.contraception.2025.111275)

Neun Studien konnten die Autorinnen in ihren Review einschließen. Drei Studien untersuchten venöse oder arterielle Ereignisse. Einzelfälle von Thrombo-/Embolien unter kombinierten oralen Kontrazeptiva traten auf (2,9 % in einer Kohorte von 67 Frauen); eine Kohorte fand ein 3,6-fach erhöhtes, wenngleich nicht signifikantes Schlaganfallrisiko. Die Fallzahlen sind klein, aber ein Trend zu höherem Risiko unter östrogenhaltiger Kontrazeption lässt sich nicht wegdiskutieren.

Sechs Studien zeigten keine Zunahme vaso-okklusiver Krisen mit konsekutiven Schmerzen. Teilweise wurde sogar eine Abnahme unter Gestagen-Mono-Präparaten beobachtet.

Zwei Studien sahen keine messbaren Unterschiede in der Knochendichte zwischen Anwenderinnen und Nichtanwenderinnen hormoneller Methoden. Die Datenlage dazu ist insofern sehr überschaubar. Allerdings sind über zwei Drittel der Frauen mit einer Sichelzellanämie von Osteopenie oder Osteoporose betroffen.

Zusammengefasst sind insofern kombinierte Kontrazeptiva kritisch zu sehen. Depot-MPA ist wegen der ohnehin schlechten Knochengesundheit nicht zu favorisieren. Ideal scheinen Gestagen-Mono-Präparate zu sein, oral, als Implantat oder ein LNG IUD. LNG IUDs waren allerdings in den eingeschlossenen Studien nicht explizit untersucht – sie wären v.a. unkritisch bzgl. des Thromboserisikos und bzgl. der Tatsache, dass sie, wie die anderen bevorzugten Gestagen-Mono-Präparate keinen negativen Einfluss auf die Knochengesundheit haben.

Ihr

Michael Ludwig