Ob niedrig dosiertes vaginales Östradiol (!) das Risiko für ein Endometriumkarzinom erhöhen, ist eine relevante Frage in der menopausalen Hormontherapie.

In einer aktuellen Publikation analysierten Autor:innen Registerdaten aus den USA und Schweden. (Kimberly Daniels et al. Incidence of endometrial cancer among postmenopausal women using vaginal estrogen compared to estrogen and progestin combination hormone therapy. Menopause 2027;34. DOI: 10.1097/GME.0000000000002828) Nach Anwendung der Ein- und Ausschlusskriterien standen in den USA 175.101 Anwenderinnen niedrig dosierter vaginaler Östrogene (≤10 µg Estradiol oder ≤0,3 mg konjugierte equine Östrogene täglich), 12.847 Anwenderinnen moderat dosierter Präparate (>10–25 µg Estradiol oder >0,3–0,45 mg konjugierte Östrogene täglich) sowie 45.323 Anwenderinnen einer systemischen Östrogen-Gestagen-Therapie zur Verfügung. In Schweden wurden 139.717 Anwenderinnen niedrig dosierter und 94.783 Anwenderinnen moderat dosierter vaginaler Östrogene analysiert.

Für niedrig dosierte vaginale Östrogene ergab sich kein Hinweis auf ein erhöhtes Endometriumkarzinomrisiko. Die Hazard Ratio (HR) betrug in den USA 0,74 (95% KI 0,45–1,22), in Schweden 1,34 (95% KI 0,84–2,13). Für hoch dosierte Premarin-Vaginalcreme (>0,45 mg konjugierte equine Östrogene täglich) lag die HR bei 0,84 (95% KI 0,49–1,44). Für moderat dosierte Östradiolpräparate ergaben sich Hazard Ratios von 1,95 (95% KI 0,86–4,45) in den USA bzw. 1,15 (95% KI 0,72–1,83) in Schweden. Keine dieser Analysen zeigte insofern eine statistisch signifikante Risikoerhöhung.

Die Ergebnisse erscheinen beruhigend. Allerdings war auch diese Studie keine echte Langzeituntersuchung. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag in den USA bei 2,0 Jahren (IQR 0,8–4,0 Jahre) für niedrig dosierte und 1,5 Jahren (IQR 0,6–3,3 Jahre) für moderat dosierte Präparate. In Schweden betrug sie 3,9 Jahre (IQR 1,6–6,5 Jahre) bzw. 3,4 Jahre (IQR 1,7–8,9 Jahre).

Genau auf dieses Problem hatte bereits vor einigen Jahren eine andere Publikation verwiesen, die ich in meinem Blog berichtet hatte. (Frank Z. Stanczyk et al. Endometrial safety of low-dose vaginal estrogens. Menopause 2023. DOI: 10.1097/GME.0000000000002177) In dieser Übersichtsarbeit wurden 19 prospektive Studien zu niedrig dosierten vaginalen Östradiol- und konjugierten equinen Östrogenpräparaten ausgewertet. Insgesamt standen lediglich 2.057 Frauen mit auswertbaren Endometriumbiopsien zur Verfügung. Beobachtet wurden ein Endometriumkarzinom und sechs Endometriumhyperplasien. Noch bemerkenswerter als die geringe Zahl der Ereignisse war die kurze Nachbeobachtungszeit. Nur 1.169 Frauen (56,8 %) wurden überhaupt ein Jahr lang beobachtet. Für eine Beobachtungsdauer von zwei Jahren lagen Daten von lediglich neun Frauen (0,4 %) vor.

Weder die älteren Interventionsstudien noch die aktuelle Registeranalyse liefern Hinweise auf ein deutlich erhöhtes Risiko für Endometriumhyperplasien oder Endometriumkarzinome unter niedrig dosiertem vaginalem Östradiol oder niedrig dosierten konjugierten equinen Östrogenen. Gleichzeitig bleibt die Evidenz für eine Anwendung über viele Jahre erstaunlich dünn. Die derzeitigen Daten sprechen eher gegen ein relevantes Risiko, erlauben aber nicht, ein geringes Langzeitrisiko sicher auszuschließen.

Niedrig dosiertes Östriol war nicht Gegenstand dieser Untersuchungen und steht auch nicht im Verdacht, Endometriumkarzinome zu fördern.

Ihr

Michael Ludwig