Die menopausale Symptomatik wird häufig als ein einheitliches Beschwerdebild diskutiert. Eine Auswertung von Daten der SWAN-Kohorte (Study of Womens Health Across the Nation) widerspricht dieser Vereinfachung. ((Pauline M. Maki et al. Associations between vasomotor symptoms, sleep disturbances, and frequent mood changes individually and within symptom groups across the menopausal transition and early postmenopause. Menopause 2026;33: im Druck: 10.1097/GME.0000000000002725)

Analysiert wurden vasomotorische Symptome, Schlafstörungen und sogenannte „frequent mood changes“ über einen Zeitraum von zehn Jahren rund um die Menopause, sowohl einzeln als auch in ihrer Ko-Existenz.

Die SWAN ist eine prospektive Longitudinalstudie zum perimenopausalen Übergang und zur Postmenopause. So kann der Zeitpunkt der Menopause rückwirkend bestimmt werden – prospektiv werden Daten zu verschiedenen Fragestellungen gesammelt.

Die Endpunkte in dieser Auswertung waren pragmatisch definiert. Vasomotorische Beschwerden galten als vorhanden bei Hitzewallungen oder Nachtschweiß an ≥ 1–5 Tagen innerhalb von zwei Wochen; Schlafstörungen bei mehrfachem nächtlichem Erwachen an ≥ 1–2 Nächten pro Woche. „Frequent mood changes“ wurden erfasst, wenn Stimmungsschwankungen an mindestens einem Tag innerhalb von zwei Wochen berichtet wurden – eine niedrige Schwelle, die methodisch konsistent mit den anderen Symptomen ist, sprachlich aber streng genommen kein „frequent“ beschreibt .

Vasomotorische Beschwerden und Schlafstörungen zeigten einen nahezu parallelen Verlauf: Zunahme bis etwa ein Jahr nach der Menopause und anschließende Persistenz auf hohem Niveau (> 50 %). Die frequent mood changes verhielten sich anders. Ihre Prävalenz war in der Perimenopause am höchsten und nahm im weiteren Verlauf kontinuierlich ab (von etwa 47 % auf rund 33 %). Affektive Labilität erscheint damit eher als Übergangsphänomen hormoneller Instabilität, nicht als persistierendes postmenopausales Symptom.

In den longitudinalen Modellen war die zeitgleiche Assoziation zwischen Schlafstörungen und VMS ausgeprägt: Frauen mit Schlafstörungen hatten etwa die doppelte Wahrscheinlichkeit gleichzeitig vasomotorische Beschwerden zu berichten (OR 2,14, 95 % KI 1,91 – 2,40), und umgekehrt war die Wahrscheinlichkeit für Schlafstörungen bei vasomotorischen Beschwerden nahezu identisch erhöht (OR 2,16, 95 % KI 1,92 – 2,43). Diese Beziehung blieb über den gesamten Zeitraum stabil .

Die mood changes waren zwar moderat mit vasomotorischen Beschwerden assoziiert (OR 1,59, 95 % KI 1,41 – 1,79), zeigten aber keine robuste Assoziation mit Schlafstörungen (OR 1,11, 95 % KI 0,98 – 1,27). Das widerspricht der intuitiven Annahme, schlechter Schlaf führe zwangsläufig zu mehr affektiver Instabilität. Wahrscheinlich spielt hier die enge Definition der Schlafstörung (nächtliches Erwachen) ebenso eine Rolle wie die begrenzte Erfassung von Stimmungsschwankungen als Einzelfrage.

Ein zentraler Befund betrifft die Rolle der Angst. Diese wurde nicht als Symptom, sondern mit einer standardisierten SWAN-Angstskala erfasst und als dichotomer Prädiktor (hoch vs. niedrig) in die Modelle aufgenommen. Angst wurde nicht über die Zeit modelliert, sondern als relativ stabiles individuelles Merkmal behandelt.

Frauen mit hoher Angst hatten eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, alle drei Symptome gleichzeitig zu berichten (46 % vs. 15 % bei niedriger Angst). Angst war damit ein starker Verstärker von Symptomclustern, erklärte jedoch weder den zeitlichen Anstieg von vasomotorischen Beschwerden und Schlafstörungen noch deren enge Kopplung .

In der Gesamtschau ergibt sich ein konsistentes Bild zweier weitgehend unabhängiger Achsen:

Eine vasomotorisch-vegetative Schiene, auf der vasomotorische Beschwerden und Schlafstörungen eng miteinander verknüpft sind, und eine psychisch-affektive Schiene, auf der Stimmungsschwankungen vor allem in der Perimenopause auftreten und stark durch individuelle Faktoren wie Angst moduliert werden.

Die Ergebnisse zeigen die Komplexität von Beschwerden im perimenopausalen Übergang. Ganz offensichtlich sind vasomotorische Beschwerden ein Trigger für Schlafstörungen – das Thema hatte ich schon häufiger addressiert. Andere Beschwerden mögen auch präsenter sein im perimenopausalen Übergang, sind aber offenbar weniger Folge des Östrogenmangels, da sie postmenopausal schon weniger häufig sind. Sie werden durch andere Empfindungen wie in diesem Fall Angst getriggert, die nicht perimenopausal bedingt entsteht aber ein Verstärker für die Wahrnehmung bestimmter Symptome ist.

Es wäre schön, wenn diejenigen Recht hätten, die meinen, man könne alles mit einer Hormontherapie lösen – kann man aber nicht.

Ihr

Michael Ludwig