In einer interessanten Arbeit wird Stellung bezogen zur transdermalen Östrogenisierung. (Sarah J. Glynne und James A. Simon. Tailoring transdermal estradiol dose to maximize benefit and minimize risks. Menopause 2026; 33: im Druck. 10.1097/GME.0000000000002723)
Dabei werden verschiedene praktisch relevante Aspekte adressiert. Eine der wichtigsten Aussagen ist, dass die Dosierung sich an den Symptomen orientiert, insbesondere an vasomotorischen Symptomen.
Die Autorin und der Autor der Arbeit stellen erfreulicherweise klar, dass eine Messung von Östradiol grundsätzlich nicht notwendig ist, wenn dies zur menopausalen Hormontherapie erfolgt. Wichtig sei aber die Messung bei Frauen mit prämaturer Ovarialinsuffizienz, die beschwerdefrei sind und bei denen insofern kein Symptom vorliegt, anhand dessen man den therapeutischen Spiegel kontrollieren könnte. Ein zweiter Grund für die Östradiolmessung besteht dann, wenn bei menopausaler Symptomatik diese trotz normalerweise ausreichender Dosierung der transdermalen Applikation nicht verschwinden.
In Hinblick auf den Zielbereich der Substitution werden frühere Publikationen reviewt, in denen ein Spiegel von 61 pg/ml zur 50 %-igen Reduktion von Hitzewallungen führte. In dieser Arbeit wurden 122 pg/ml für eine 100 %-ige Reduktion benötigt. Andere postulierten Werte von 60 bis 150 pg/ml als Zielbereich. Zur Optimierung der Knochengesundheit wird ein Wert von über 55 pg/ml angenommen. Dies scheint mir eine vergleichsweise hohe Konzentration zu sein. Sicherlich richtig ist dies jedoch bei den bereits erwähnten Frauen mit prämaturer Ovarialinsuffizienz.
Ein sehr schönes Statement in dieser Arbeit ist: „dose doesn’t predict level, doesn’t predict clinical response“. Das kann ich nur unterschreiben!
In einem interessanten Kapitel in dieser Arbeit wird schließlich die Frage gestellt, ob höhere Spiegel von Östradiol schädlich sein können. Auch wenn die Arbeit ansonsten bezüglich ihrer klaren Aussagen sehr zu loben ist, ist dieser Abschnitt jedoch wenig hilfreich und sehr unkritisch geschrieben. So kommen die Autorin und der Autor zum einen zu dem Schluss, dass höhere Spiegel nicht zu einer Gewöhnung führen. Zum anderen weisen sie darauf hin, dass bei höherer Dosierung eine vernünftige Gestagendosierung zum Schutz des Endometriums notwendig ist. Auf die potenzielle Auswirkung auf die kardiovaskuläre Gesundheit wird nicht eingegangen. Sie resümieren lediglich, dass das Mammakarzinomrisiko wahrscheinlich nicht beeinflusst würde, da eine Östradiol Monotherapie dieses Risiko wenig oder gar nicht berühre.
Ich finde diese Aussagen gewagt, da über langfristig höhere Dosen in Hinblick auf die Brustgesundheit und kardiovaskuläre Gesundheit nichts bekannt ist.
Der zuletzt zitierte Absatz ändert jedoch nichts daran, dass diese Arbeit verschiedene interessante und wichtige klinische Statements enthält, die ich nur unterschreiben kann.
Ihr
Michael Ludwig
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