Royal Jelly wird seit Jahren als „natürliche“ Option bei menopausalen Beschwerden beworben. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse legt nun erstmals eine formale Zusammenfassung der klinischen Daten vor – und kommt zu einem vorsichtig positiven, zugleich aber methodisch fragilen Ergebnis .
Royal Jelly ist ein von Honigbienen produziertes Sekret, das der Ernährung der Bienenkönigin dient. Chemisch handelt es sich um ein komplexes Gemisch aus Proteinen, freien Fettsäuren, Zuckern und bioaktiven Substanzen. Pharmakologisch relevant sind insbesondere bestimmte ungesättigte Fettsäuren wie 10-Hydroxy-2-decensäure (10-HDA), denen in experimentellen Modellen eine östrogenähnliche, genauer gesagt östrogenrezeptor-modulierende Wirkung zugeschrieben wird. Diese Substanzen binden an Östrogenrezeptoren α und β, allerdings deutlich schwächer und strukturell anders als Östradiol, was eine selektive, gewebespezifische Wirkung plausibel erscheinen lässt. Ergänzt wird dieses Modell durch antioxidative und antiinflammatorische Effekte, die theoretisch ebenfalls vasomotorische und muskuloskelettale Symptome beeinflussen könnten.
Vor diesem Hintergrund untersuchten die Autor:innen sechs randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 471 postmenopausalen Frauen im Alter zwischen etwa 45 und 65 Jahren. Fünf dieser Studien setzten Royal Jelly systemisch (oral) ein, eine Studie verwendete eine vaginale Applikation. Die Präparate, Dosierungen (200 mg bis 3 g/Tag), Behandlungsdauern (4 bis 24 Wochen) und Endpunkte waren jedoch ausgesprochen heterogen. Entsprechend konnten nur zwei der sechs Studien überhaupt in eine Meta-Analyse zur Symptomverbesserung eingeschlossen werden, da nur sie dieselbe Skala (Menopause Rating Scale), ein vergleichbares Design und vollständige statistische Angaben aufwiesen.
Diese beiden Studien – zusammen 312 Frauen – zeigten einen gepoolten Effekt zugunsten von Royal Jelly mit einer standardisierten mittleren Differenz von 0,73 (95 %-KI 0,50–0,96), formal ohne Heterogenität. Beide Studien wurden im Iran durchgeführt, nutzten 1.000 mg orales Royal Jelly über acht Wochen und stammen offenbar aus derselben Forschungsgruppe mit identischem Seniorautor. Die übrigen fünf Studien unterschieden sich so stark hinsichtlich Präparat, Applikationsform und Zielgrößen, dass sie nur narrativ berücksichtigt werden konnten – darunter auch Kombinationspräparate und eine vaginale Anwendung im Vergleich zu Östrogen.
Damit lässt sich das Fazit der Review präzise, aber deutlich zurückhaltender formulieren als im Originaltext: Es könnte sein, dass Royal Jelly bei menopausalen Beschwerden einen symptomatischen Effekt hat. Die biologische Plausibilität über östrogenähnliche Signalwege ist vorhanden. Die klinische Evidenz beruht jedoch auf wenigen, regional begrenzten Studien, mit heterogenen, nicht standardisierten Naturpräparaten und einer Meta-Analyse, die letztlich auf zwei methodisch ähnlichen Arbeiten aus derselben Umgebung reduziert ist.
Ob tatsächlich ein reproduzierbarer pharmakologischer Effekt vorliegt – und für wen –, bleibt offen. Die vorhandenen Daten rechtfertigen Interesse, aber meiner Meinung nach keine therapeutische Gewissheit.
Ihr
Michael Ludwig
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