Cortisol ist ein typisch circadian schwankendes Hormon. Der Peak liegt in den frühen Morgenstunden, der Nadir am Abend. Wenn nun im Rahmen der Diagnostik Cortisol mitbestimmt wird, ergibt sich bei einem auffällig niedrigen Wert die Frage, ob dies ein Hinweis auf eine Nebennierenrindeninsuffizienz ist oder eben nur eine tageszeitliche Schwankung. Diagnostik der Wahl zum Ausschluss einer Nebennierenrindeninsuffizienz ist der ACTH-Test mit Bestimmung von Cortisol vor Gabe von 250 µg Synacthen i.v. und 60 Minuten später. Die Frage ist, ob ggf. auch ein einfacher morgendlicher Wert ausreicht, eine Nebennierenrindeninsuffizienz mit hinreichender Sicherheit auszuschließen.
Diese Frage wurde schon häufiger in Studien untersucht. Eine aktuelle Studie wertet dazu noch einmal 704 ACTH-Tests bei Erwachsenen aus. (James D. Nolan et al. Basal Cortisol as a Predictor of Passing Short Synacthen Test and the Utility of the 60-Minute Poststimulation Cortisol. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2026; 111: e398-e405. DOI: 10.1210/clinem/dgaf424)
Ein Anstieg des Cortisols auf über 430 nmol/l (156 ng/ml) nach 30 Minuten bzw. über 500 nmol/l (181 ng/ml) nach 60 Minuten galt als Nachweis einer Nebennierenrindensuffizienz.
Die Autor:innen arbeiten als cut-off für den unstimulierten Morgenwert 335 nmol/l (121 ng/ml) heraus. Mit 95 % Wahrscheinlichkeit ist bei diesem Wert eine Nebennierenrindeninsuffizienz ausgeschlossen. Die Blutentnahme sollte um 8 Uhr und nüchtern erfolgen.
Das ist eine hilfreiche Unterstützung für den schnellen Ausschluss einer relevanten Erkrankung!
Ihr
Michael Ludwig
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