Ernährung gilt seit Jahren als potenziell modifizierbarer Faktor in der Reproduktionsmedizin. Die jetzt veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit der italienischen SIFES-MR-Arbeitsgruppe wertet die bis Februar 2025 verfügbare klinische Evidenz zur Rolle der Ernährung bei assistierten Reproduktionstechniken (ART) aus – und bringt vor allem eines: Ernüchterung. (Gemma Fabozzi  et al. Diet in assisted reproductive technologies: what should we recommend? A systematic review from current evidence to tailored nutritional approaches for enhancing reproductive success. Reproductive BioMedicine Online, 2026; DOI: 10.1016/j.rbmo.2026.105527)

Insgesamt flossen 39 klinische Studien (RCTs, Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien) ein, die Ernährungsmuster, Ausschlussdiäten sowie Makro- und Mikronährstoffe bei Frauen (und teilweise Männern) unter IVF/ICSI analysierten. Primäre Endpunkte waren u. a. Implantationsrate, klinische Schwangerschaft und Lebendgeburtenrate.

Kurze Zusammenfassung: Keine spezifische Diät erhöht nachweislich die Lebendgeburtenrate.
Weder mediterrane Kost noch „fertility diets“, ketogene Diäten oder einzelne Supplemente zeigen konsistent einen Effekt auf Live-Birth-Endpunkte.

Gesunde Ernährungsmuster sind mit besseren Zwischenparametern assoziiert, z. B. mehr Eizellen, bessere Embryoqualität oder höhere Schwangerschaftsraten – allerdings inkonsistent und populationsabhängig.

Ungesunde bzw. westliche Ernährungsweisen (hoch verarbeitet, zucker- und fettreich) sind reproduzierbar mit schlechteren ART-Ergebnissen assoziiert. Das ist einer der robustesten Befunde der Arbeit.

Ausschlussdiäten (ketogen, glutenfrei, laktosefrei) zeigen keinen Nutzen in der Allgemeinpopulation. Positive Effekte finden sich allenfalls in klar definierten Subgruppen, z. B. bei PCO-Syndrom oder Zöliakie.

Metabolische Gesundheit, Entzündungsstatus und vermutlich die Darmmikrobiota spielen eine eigenständige Rolle – unabhängig vom Körpergewicht.

Es gibt keine evidenzbasierte „IVF-Diät“. Pauschale Ernährungsempfehlungen jenseits allgemeiner Gesundheitsratschläge sind wissenschaftlich nicht gedeckt. Gleichzeitig wird deutlich, dass schlechte Ernährung sehr wohl schadet, während gesunde Muster zumindest günstige Voraussetzungen schaffen.

Ihr

Michael Ludwig