Die Frage, was „gute Ernährung“ im Kinderwunsch eigentlich bedeutet, wird meist mit Blick auf die Frau diskutiert. Eine aktuelle prospektive Kohortenstudie aus der Generation-R-Next-Kohorte verschiebt diesen Fokus zumindest ein Stück weit: Erstmals wird systematisch die Ernährung beider Partner im perikonzeptionellen Zeitraum in Beziehung zu Fertilität und früher Embryonalentwicklung gesetzt. (Celine H.X. Lin et al. Periconceptional ultra-processed food consumption in women and men, fertility, and early embryonic development. Human Reproduction 2026; doi:10.1093/humrep/deag023)
Untersucht wurden 831 Frauen und 651 Männer, deren Ernährungsgewohnheiten mittels validiertem Food-Frequency-Questionnaire erhoben wurden; der Anteil ultra-verarbeiteter Lebensmittel (ultra-processed foods, UPF) lag im Median bei 22,0 % bei Frauen und 25,1 % bei Männern. Als Endpunkte dienten zum einen Fertilitätsparameter –Fecundability, also die Konzeptionswahrscheinlichkeit pro Zyklus, sowie Subfertilität, definiert als eine Zeit bis zur Schwangerschaft von ≥12 Monaten oder die Inanspruchnahme assistierter Reproduktion – und zum anderen Parameter der frühen Embryonalentwicklung, insbesondere die Scheitel-Steiß-Länge (CRL) und das Dottersackvolumen im ersten Trimenon.
Für Frauen zeigte sich kein konsistenter Zusammenhang zwischen UPF-Konsum und Fertilität. Weder die Fecundability noch das Risiko für Subfertilität waren relevant beeinflusst. Anders bei Männern: Hier war ein höherer UPF-Anteil signifikant mit einer reduzierten Konzeptionswahrscheinlichkeit assoziiert (Fecundability ratio 0,90; 95 % CI 0,83–0,99) sowie mit einem erhöhten Risiko für Subfertilität (OR 1,36; 95 % CI 1,11–1,67) . Diese Effekte blieben auch nach Adjustierung für eine Vielzahl von Confoundern einschließlich der Ernährung der Partnerin bestehen.
Auf Ebene der frühen Embryonalentwicklung zeigte sich wiederum ein anderer Befund: Ein höherer mütterlicher UPF-Konsum war mit geringfügig kleineren Embryonen in der 7. Schwangerschaftswoche assoziiert (CRL −0,13 SDS; 95 % CI −0,25 bis −0,01) sowie mit einem kleineren Dottersackvolumen (−0,14 SDS; 95 % CI −0,26 bis −0,02) . Diese Unterschiede waren jedoch klein und verloren sich im weiteren Verlauf der Schwangerschaft. Für die väterliche Ernährung ergaben sich in Bezug auf die Embryonalentwicklung keine konsistenten Zusammenhänge.
Was lässt sich daraus ableiten? Zunächst bestätigt die Studie, dass Ernährung im Kinderwunschkontext eine Rolle spielt. Während sich für Frauen keine überzeugenden Effekte auf die Fertilität zeigen, gibt es Hinweise darauf, dass die Ernährungsqualität des Mannes bislang unterschätzt wird. Die beobachteten Effekte auf die Embryonalentwicklung sind dagegen klein, transient und in ihrer klinischen Relevanz unklar. Hinzu kommen die üblichen Limitationen einer Beobachtungsstudie, insbesondere die auf Fragebögen basierende Ernährungserhebung und mögliche Residualkonfounder.
Die Daten legen nahe, dass eine hohe Aufnahme stark verarbeiteter Lebensmittel im perikonzeptionellen Zeitraum mit subtilen Veränderungen der frühen Embryonalentwicklung sowie – deutlich klarer – mit einer reduzierten Fertilität beim Mann assoziiert ist.
Ihr
Michael Ludwig
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