Eine aktuelle Studie klingt dramatisch: Frühe Menopause und eine Hysterektomie werden in einem Satz bzw. im Titel zusammengebracht mit der beschleunigten biologischen Alterung von Frauen – gemessen an epigenetischen und physiologischen Biomarkern. (Jung Ki Kim und Eileen M. Crimmins. Early menopause, hysterectomy, and biological aging: Health and Retirement Study. Menopause 2025; im Druck: DOI: 10.1097/GME.0000000000002555)
Für ihre Auswertung beurteilten die beiden Autorinnen die Daten von 1.443 postmenopausalen Frauen, bei denen anamnestische und epigenetische Daten vorlagen. 2016 betrug das mittlere Alter 68,3 ± 8,7 Jahre.
Relevante Messgröße war das epigenetische Alter, also das „reale“ Alter von Zellen, beurteilt anhand des Methylierungsstatus der DNA.
Frauen mit einer frühen Menopause (< 45 Jahre) zeigten ein beschleunigtes epigenetisches Altern. Hysterektomierte Frauen, auch nach unauffälligem Menopausenalter, alterten laut biologischem Alter schneller. Die Kombination aus früher Menopause und Hysterektomie schien die physiolgische Alterung noch stärker anzukurbeln.
Das klingt erst einmal nach klaren Risikofaktoren. Was aber wäre, wenn man die Situation anders herum betrachtet? Denn: Assoziationen sind nicht unbedingt gleichzusetzen mit Kausalitäten.
Frauen mit einer insgesamt schlechteren Gesundheit könnten von Anfang an schneller altern – und damit gleichzeitig häufiger eine frühe Menopause und gynäkologische Probleme entwickeln, die schließlich zu einer Hysterektomie führen. Die frühe Menopause wäre dann ein Ausdruck des schnelleren Alterns auch der Ovarien. Die Studie kontrolliert zwar für Alter, Bildung, Ethnie und Rauchen – aber nicht für präexistente Krankheiten, chronische Entzündungsprozesse oder hormonelle Dysregulationen.
Spekuliert man weiter, dann sind Blutungsstörungen ein häufiger Grund für eine Hysterektomie. Dafür verantwortlich könnten Myome sein. Eben diese stehen oft im Zusammenhang mit chronischen Entzündungen und hormonellen Störungen. (Monia Orciani et al. Stem Cells International 2018; 2018: 1716246. doi: 10.1155/2018/1716246) Diese Faktoren wiederum fördern epigenetisches Altern und physiologische Dysregulation. Das könnte bedeuten: Nicht die Hysterektomie selbst treibt das Altern an, sondern die „Vorerkrankung“ als Risikoprofil.
Viele Frauen leiden jahrelang an Blutungsstörungen mit Anämie, chronischer Erschöpfung und psychischem Stress. Stress ist ein etablierter Beschleuniger von Alterungsprozessen. Die Hysterektomie könnte hier eher ein Endpunkt sein als ein Auslöser.
Die Beobachtung „Hysterektomie = höheres biologisches Alter“ ist epidemiologisch spannend, aber kein Beweis für eine Kausalität. Frauen mit Hysterektomie und/oder frühen Menopause sind möglicherweise schon Jahre zuvor gesundheitlich belasteter.
Assoziationen sind keine Kausalitäten. Bevor wir voreilig eine Hysterektomie für das schnellere Altern verantwortlich machen, sollten wir uns fragen, warum manche Frauen überhaupt früher altern – und wie wir diese Faktoren (z. B. Lebensstil, Stressmanagement, präventive Gesundheitsversorgung) besser adressieren können. Eine kritische Perspektive, die nicht nur Symptome bekämpft, sondern Ursachen versteht, ist gefragt.
Ihr
Michael Ludwig
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