Die Diskussion über die Auswirkungen der Menopause auf die Arbeitsfähigkeit von Frauen hat an Bedeutung gewonnen – und oft wird dabei ein direkter Effekt der Menopause auf die Arbeitsleistung vermutet. Ein systematischer Review zeigt jedoch: Die Evidenz ist weder eindeutig noch besonders stark – trotzdem gibt es interessante Hinweise. (Sasha Taylor et al. Menopause and work performance: a systematic review of observational studies. Menopause. 2025; im Druck: doi: 10.1097/GME.0000000000002557)

Insgesamt 10 Studien mit Daten von über 10.000 Frauen wurden eingeschlossen. Zwar war der reine Menopausestatus (prä-, peri-, postmenopausal) nicht eindeutig mit der Arbeitsfähigkeit assoziiert. Doch bei den vasomotorischen Symptomen deuteten mehrere Studien auf eine mögliche Belastung für die Arbeitsfähigkeit hin. So zeigte eine australische Studie ein mehr als verdoppeltes Risiko für eine schlechtere Work-Ability-Index-Kategorie bei Frauen mit vasomotorischen Beschwerden.

Bemerkenswert ist, dass viele der eingeschlossenen Studien den Autorinnen zufolge erhebliche methodische Schwächen aufwiesen: Nur wenige berücksichtigten andere Belastungsfaktoren wie Arbeitsbedingungen, finanzielle Unsicherheiten oder familiäre Belastungen. In einzelnen Studien spielten soziale Determinanten eine erhebliche Rolle: Wohnungsunsicherheit, Alleinstehend-Sein oder Adipositas beeinflussten die Arbeitsfähigkeit mitunter stärker als die Menopause selbst.

Möglicherweise wurde aber auch der Fokus in den eingeschlossenen Studien falsch gelegt. Ich bin ein Anhänger der Domino-Hypothese: nächtliche Hitzewallungen, vielleicht auch subtil, können den Schlaf beeinträchtigen und so die tägliche Leistungsfähigkeit herabsetzen. Das Problem ist, dass man Hitzewallungen als individuelle Empfindung eben nicht objektiv messen kann – wie sehr sie tatsächlich stören, bleibt auch im täglichen Gespräch mit Patientinnen häufig offen. Selbst wenn Patientinnen meinen, „das ginge schon“ und sie wollten keine Therapie beginnen, beeinträchtigen diese Hitzewallungen am Ende die Lebensqualität und eben auch die Arbeitsleistung mehr, als man denkt. Den Autorinnen ist Recht zu geben, dass es weitere Studien mit klarem Studiendesign und Erfassung möglichst vieler Faktoren bedarf, um das Problem klarer zu fokussieren.

Ihr

Michael Ludwig