Ist eine vegane Ernährung ein Mittel gegen vasomotorische Beschwerden? Eine aktuelle randomisierte Studie untersuchte, ob der Verzehr von (hoch-)verarbeiteten Lebensmitteln bei einer veganen Ernährung das Körpergewicht und die Häufigkeit schwerer Hitzewallungen beeinflusst. (Hana Kahleova et al. Processed foods in the context of a vegan diet, and changes in body weight and severe hot flashes in postmenopausal women: a secondary analysis of a randomized clinical trial. Menopause. 2025;im Druck: DOI: 10.1097/GME.0000000000002563)
In die Studie wurden 84 postmenopausale Frauen (40–65 Jahre) aufgenommen, die mindestens zwei moderate bis schwere Hitzewallungen pro Tag angaben. Es gab keine Auswahl nach Ernährungsgewohnheiten (z. B. vegetarisch oder vegan). Die Frauen konsumierten zu Studienbeginn eine „normale“ westliche Mischkost mit tierischen Produkten. Sie unterschieden sich nicht in ihrer Ernährung, ihrem Alter, dem Menopausenalter oder anderen Faktoren.
42 Frauen erhielten eine fettarme vegane Ernährung (Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte), inklusive täglich einer halben Tasse gekochter Sojabohnen (86 g). 42 Frauen setzten ihre bisherige Ernährung ohne spezielle Vorgaben fort. Beide Gruppen erhielten eine Vitamin-B12-Supplementierung (100 µg pro Tag). Die Studiendauer betrug 12 Wochen. Initial lag die Rate vasomotorischer Beschwerden in der Studiengruppe bei 5,8 ± 3,5 und in der Kontrollgruppe bei 5,2 ± 3,8 täglich. Die meisten wurden als mäßig bis schwer klassifiziert (4,8 ± 3,5 bzw. 4,1 ± 3,2).
Zur Klassifizierung der Nahrungsmittel wurden die sogenannten NOVA-Kriterien verwendet. NOVA 1: unverarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel (z. B. frisches Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte), NOVA 2: verarbeitete Zutaten (z. B. Öl, Zucker, Salz), NOVA 3: verarbeitete Lebensmittel (z. B. Brot, Käse, Konserven), NOVA 4: stark verarbeitete („ultra-processed“) Lebensmittel, die industriell hergestellt sind (z. B. Softdrinks, Süßigkeiten, abgepackte Fertigprodukte). Dabei wurde zusätzlich differenziert, ob die Lebensmittel tierischen oder pflanzlichen Ursprungs waren.
Die vegane Gruppe reduzierte den Konsum tierischer Lebensmittel fast vollständig (NOVA 1 bis 4) – eine logische Folge der Intervention. Die Aufnahme stark verarbeiteter pflanzlicher Lebensmittel blieb in beiden Gruppen relativ stabil und zeigte keinen signifikanten Einfluss auf das Gewicht oder die Häufigkeit schwerer Hitzewallungen. Interessanterweise war also nicht die generelle „Verarbeitung“ von pflanzlichen Lebensmitteln entscheidend, sondern vor allem die Reduktion tierischer Produkte.
Ein veganer Lebensstil – auch wenn er industriell verarbeitete pflanzliche Lebensmittel enthält – war in dieser Kohorte mit einem deutlichen Gewichtsverlust (−3,6 kg) und einer Reduktion schwerer Hitzewallungen (−92 %) assoziiert. Mäßig bis schwere Hitzewallungen wurden um 88 % reduziert. In der Kontrollgruppe änderten sich weder das Gewicht noch die schweren vasomotorischen Beschwerden relevant. Mäßig bis schwere Hitzewallungen gingen um 36 % zurück. Entscheidend war vor allem der komplette Verzicht auf tierische Lebensmittel, einschließlich der stark verarbeiteten Varianten. Die Verarbeitung pflanzlicher Lebensmittel (NOVA-Kategorie 4) hatte dagegen keinen Einfluss auf die untersuchten Endpunkte.
Ursächlich könnten nach den Autor:innen sogenannte dietary advanced glycation end-products sein. Dabei handelt es sich um Produkte, die sich in Lebensmitteln durch die Reaktion von Zucker mit Lipiden und Proteinen bilden. Dies betrifft u.a. Lebensmittel, die hohen Temperaturen beim Grippen oder Braten bzw. Fritieren ausgesetzt sind. Diese dietary advanced glycation end-products können als endokrine Disruptoren Einfluss nehmen auf die Sekretion von Insulin, Leptin und Adiponektin sowie von Sexualhormonen. Diese unnatürlichen Produkte sollen durch eine vegane Ernährung um über 70 % reduziert werden.
Sehr spannende Daten auf hohem Evidenzniveau!
Ihr
Michael Ludwig
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