Die zugelassene Anwendungsdauer des Levonorgestrel-52-mg-Intrauterinsystems wurde in den vergangenen Jahren auf acht Jahre verlängert. Immer wieder stellt sich jedoch die Frage, ob eine sichere Anwendung auch darüber hinaus möglich sein könnte. Eine neue brasilianische Studie liefert hierzu pharmakologische Daten, beantwortet die klinische Frage jedoch noch nicht. (Luis Bahamondes, Kaue Chinaglia, Isadora L. Denkena et al. Quantification of residual levonorgestrel following extended use of the levonorgestrel 52 mg intrauterine device beyond 8 years. Contraception. 2026. DOI: 10.1016/j.contraception.2026.111546)
39 entfernte Levonorgestrel-52-mg-Intrauterinsysteme, die mindestens acht Jahre getragen worden waren, wurden untersucht. Analysiert wurden vier Spiralen nach exakt acht Jahren, 26 nach mehr als acht bis neun Jahren und neun nach mehr als neun bis zehn Jahren Liegedauer. Zusätzlich dienten drei unbenutzte Systeme als Referenz. Analysiert wurde das Präparat Mirena. Nach Entfernung wurde das Levonorgestrel-haltige Reservoir isoliert und der verbliebene Hormongehalt mittels validierter Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) bestimmt.
Die Ergebnisse zeigen einen kontinuierlichen Rückgang des verbliebenen Hormongehalts. Während unbenutzte Systeme erwartungsgemäß 52 mg Levonorgestrel enthielten, verblieben nach acht Jahren median 15,3 mg (IQR 14,3–15,6 mg), nach mehr als acht bis neun Jahren 13,5 mg (12,1–14,5 mg) und nach mehr als neun bis zehn Jahren noch 11,2 mg (10,2–14,5 mg). Damit befinden sich nach zehn Jahren noch rund 21,5 % der ursprünglichen Wirkstoffmenge im Reservoir.
Die Autoren vergleichen diesen Wert mit dem Levonorgestrel-19,5-mg-Intrauterinsystem (Kyleena). Dieses enthält nach Ablauf seiner zugelassenen fünfjährigen Anwendungsdauer nach früheren Untersuchungen noch etwa 5,8 mg Levonorgestrel und weist zu diesem Zeitpunkt weiterhin eine hohe kontrazeptive Wirksamkeit auf. Dass die Mirena nach zehn Jahren noch nahezu die doppelte Restmenge enthält, erscheint deshalb pharmakologisch plausibel. Ob sich daraus tatsächlich eine vergleichbare kontrazeptive Sicherheit ableiten lässt, bleibt jedoch offen. Klinische Daten dazu existieren nicht.
Die Autoren weisen selbst ausdrücklich darauf hin, dass sich aus der Restmenge des Hormons keine Empfehlung für eine Verlängerung der Anwendungsdauer ableiten lässt. Für die kontrazeptive Wirksamkeit spielen neben der Freisetzungsrate wahrscheinlich auch lokale endometriale Effekte eine Rolle. Zudem fehlen gemäß der Diskussion in dem Manuskript Daten zu den tatsächlichen Levonorgestrel-Serumspiegeln und den Freisetzungsraten nach zehn Jahren. Relevanz sollten die Serumspiegel für die Kontrazeption meiner Meinung nach aber nicht haben.
Interessant ist allerdings, dass die Autoren ihre Ergebnisse im Zusammenhang mit einer bereits veröffentlichten US-amerikanischen Beobachtungsstudie diskutieren, in der 83 Frauen das Levonorgestrel-52-mg-System bis zu neun Jahre und 77 Frauen bis zu zehn Jahre verwendeten, ohne dass Schwangerschaften beobachtet wurden. Die nun vorliegenden pharmakologischen Daten liefern hierfür eine mögliche Erklärung, ersetzen einen klinischen Wirksamkeitsnachweis jedoch nicht.
Die Aussage der Arbeit ist daher eher pharmakologisch als klinisch: Auch zehn Jahre nach Einlage befindet sich noch eine erhebliche Menge Levonorgestrel im Reservoir des Systems. Ob diese Restmenge ausreicht, um die sehr hohe kontrazeptive Sicherheit der 52-mg-Spirale auch über acht Jahre hinaus zuverlässig aufrechtzuerhalten, müssen prospektive klinische Studien zeigen.
Ihr
Michael Ludwig
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