Die ASRM hat eine neue Stellungnahme zur Lutealphaseninsuffizienz publiziert bzw. die bisherigen, zuletzt 2021, aktualisiert. (Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine and Practice Committee of the Society for Reproductive Endocrinology and Infertility. Diagnosis and treatment of luteal phase deficiency: a Committee Opinion. Fertility & Sterility 2026; DOI: 10.1016/j.fertnstert.2026.06.014)

Der wichtigste Satz in dieser Stellungnahme: The diagnosis of LPD (luteal phase deficiency) is made clinically. Die Diagnose einer Lutealphaseninsuffizienz wird klinisch gestellt!

Zur Beschreibung einer normalen Lutealphase wird festgestellt, dass diese in der Länge relativ fix bei 12 bis 14 Tagen liegt, wobei es unterschiedliche Auffassungen für eine zu kurze Lutealphase gibt. Teils werden ≤ 10 Tage, teils ≤ 11 oder ≤ 9 Tage angegeben. Die Peakkonzentration von Progesteron wird 6-8 Tage nach der Ovulation erreicht. Durch die pulsatile Sekretion von Progesteron schwanken die Werte innerhalb 90 Minuten um das bis zu 8-fache. Bei einem Progesteron über 3 ng/ml kann man von einer stattgehabten Ovulation ausgehen.

Inwiefern, so die Meinung dieser Expertengruppen, eine Lutealphaseninsuffizienz isolierter Grund für ein Implantationsversagen ist, ist bis heute nicht geklärt. Ursache der Lutealphaseninsuffizienz ist eine Follikelreifungsstörung oder ein inadäquates Ansprechen des Endometriums auf unauffällige hormonelle Werte.

Letztere Aussage unterstützt meine Meinung, dass die Ursache einer Lutealphaseninsuffizienz in der Follikelphase zu suchen ist und eine Hormonbestimmung in der Lutealphase kein therapeutisch verwertbares Ergebnis bringen wird.

Nicht unterschreiben kann ich die Aussage, dass Schilddrüsenfunktionsstörungen für eine Lutealphaseninsuffizienz verantwortlich sein können. Ich sehe dafür in der aktuellen Literatur keine ausreichenden Belege.

Ansonsten ein fundiertes und klares Statement zu einer häufigen und häufig zu Unrecht vergebenen Diagnose.

Ihr

Michael Ludwig