Statine gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten bei älteren Frauen. Gleichzeitig beginnt die Statintherapie häufig genau in jener Lebensphase, in der auch menopausale Beschwerden zunehmen. Vor diesem Hintergrund untersuchte eine Arbeitsgruppe des lateinamerikanischen REDLINC-Netzwerks die Frage, ob Statinanwenderinnen tatsächlich häufiger über Beschwerden berichten, die den Wechseljahren zugeschrieben werden, und ob sich Hinweise auf kognitive Einschränkungen finden lassen. (Juan E. Blümel et al. FDA safety concerns and menopausal-like symptoms in postmenopausal statin users. Menopause 2027;34. DOI: 10.1097/GME.0000000000002829)

In die Querschnittsanalyse wurden 1.184 postmenopausale Frauen aus neun lateinamerikanischen Ländern aufgenommen. 307 Frauen (25,9 %) nahmen zum Untersuchungszeitpunkt ein Statin ein, 877 Frauen dienten als Vergleichsgruppe. Die menopausalen Beschwerden wurden mit der Menopause Rating Scale (MRS) erfasst, die Kognition mittels Montreal Cognitive Assessment (MoCA) untersucht und das Risiko für eine Sarkopenie mit dem SARC-F-Fragebogen bestimmt.

Bereits die Ausgangsdaten zeigen allerdings ein wesentliches methodisches Problem der Untersuchung: Die Statinanwenderinnen waren nicht mit den Nichtanwenderinnen vergleichbar. Sie waren älter (58,0 ± 6,0 versus 54,4 ± 6,9 Jahre), häufiger adipös (25,7 % versus 18,0 %), häufiger Raucherinnen (31,9 % versus 25,1 %), deutlich seltener körperlich aktiv (37,1 % versus 52,7 %) und nahmen wesentlich häufiger Psychopharmaka ein (45,0 % versus 29,2 %). Zudem berichteten sie häufiger über eine spontane oder chirurgische Menopause vor dem 40. Lebensjahr (40,1 % versus 31,5 %). Mit anderen Worten: Die Statinanwenderinnen waren insgesamt die klinisch stärker belastete Gruppe.

Die erste Fragestellung lautete, ob Statine mit einer Zunahme menopausaler Beschwerden verbunden sind. Auf den ersten Blick schien dies tatsächlich der Fall zu sein. Schwere menopausale Beschwerden fanden sich bei 47,2 % der Statinanwenderinnen gegenüber 30,6 % der Nichtanwenderinnen. Auch zahlreiche Einzelbeschwerden wurden häufiger berichtet: Schlafstörungen bei 41,0 % versus 27,3 %, Gelenk-, Knochen- oder Muskelschmerzen bei 53,1 % versus 33,9 %, depressive Verstimmung bei 35,8 % versus 21,2 %, Angst bei 38,1 % versus 24,5 % sowie körperliche und mentale Erschöpfung bei 54,4 % versus 34,3 %.

Der vielleicht wichtigste Befund der Arbeit findet sich jedoch bei den vasomotorischen Symptomen. Hitzewallungen und Schweißausbrüche traten praktisch gleich häufig auf: 35,8 % unter Statinen gegenüber 32,2 % ohne Statine. Nach Adjustierung ergab sich eine Odds Ratio von 0,99 (95 % KI 0,74–1,33). Damit bestand keinerlei Zusammenhang zwischen Statintherapie und den klassischen, östrogenabhängigen Wechseljahresbeschwerden.

Die erhöhten Beschwerden unter Statinen betrafen vielmehr unspezifische Symptome. Nach Adjustierung fanden sich Assoziationen zu Schlafstörungen (OR 1,49; 95 % KI 1,11–1,99), Muskel- und Gelenkbeschwerden (OR 1,83; 95 % KI 1,39–2,43), depressiver Stimmung (OR 1,48; 95 % KI 1,08–2,02), Angst (OR 1,43; 95 % KI 1,06–1,93), körperlicher und mentaler Erschöpfung (OR 1,88; 95 % KI 1,42–2,49) sowie irgendeine Blasenproblematik (nicht weiter spezifiert) (OR 2,38; 95 % KI 1,73–3,28). Gerade diese Symptome werden jedoch auch durch Adipositas, Bewegungsmangel, Begleiterkrankungen oder psychische Belastungen beeinflusst. Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass aufgrund des Querschnittsdesigns keine Aussage über Kausalität möglich ist.

Die zweite Fragestellung betraf die seit Jahren diskutierte Sorge, Statine könnten das Gedächtnis beeinträchtigen. Hier fällt das Ergebnis deutlich beruhigender aus. Der globale MoCA-Score unterschied sich nicht zwischen beiden Gruppen. Statinanwenderinnen erreichten durchschnittlich 24,6 ± 4,7 Punkte, Nichtanwenderinnen 24,8 ± 4,3 Punkte (p = 0,487). Auch das Risiko für eine mögliche leichte kognitive Störung war nicht erhöht (OR 1,16; 95-%-KI 0,81–1,66).

Zwar fanden die Autoren in einzelnen Unterdomänen statistische Unterschiede. So schnitten Statinanwenderinnen bei der verzögerten Erinnerung etwas schlechter ab (3,5 ± 1,5 versus 3,8 ± 1,5 Punkte), ebenso bei visuell-räumlichen Aufgaben. Gleichzeitig zeigten sich jedoch in anderen Bereichen sogar günstigere Ergebnisse. Die Autoren warnen jedoch vor einer Über-Interpretation. Für eine relevante globale kognitive Verschlechterung durch Statine liefert die Studie keine überzeugenden Hinweise.

Was bleibt für die Praxis? Die Arbeit spricht nicht dafür, dass Statine klassische Wechseljahresbeschwerden verursachen. Insbesondere Hitzewallungen waren unter Statinen nicht häufiger. Auffällig war vielmehr eine Häufung unspezifischer Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Muskelbeschwerden oder depressiver Verstimmung. Ob diese Symptome tatsächlich durch Statine verursacht werden oder vor allem die insgesamt höhere Krankheitslast der behandelten Frauen widerspiegeln, bleibt offen. Ebenso wenig fanden sich Hinweise auf eine globale kognitive Verschlechterung. Die Daten legen daher eher nahe, dass Ärztinnen und Ärzte bei entsprechenden Beschwerden sowohl die Menopause als auch die Begleiterkrankungen und die medikamentöse Therapie im Blick behalten sollten, anstatt alle Symptome vorschnell einer einzigen Ursache zuzuschreiben.

Ihr

Michael Ludwig