Erst vor kurzem hatte ich eine Studie aus Großbritannien kommentiert, in der MRT-Daten und die Ergebnisse kognitiver Tests mit der Menopause korreliert wurden. Eine aktuelle Analyse aus der Cam-CAN-Kohorte versucht auch, diesen Zusammenhang genauer zu beleuchten, liefert aber wenig Neues dazu. (Nisan Schwarz et al. When the clock shifts: menopause timing is associated with reduced cognitive performance and gray matter volume in a population-based cohort. Menopause. 2026. Im Druck: doi:10.1097/GME.0000000000002600)
In die Untersuchung wurden 747 postmenopausale Frauen einbezogen (73,6 ± 11,6 Jahre), von denen bei 182 Teilnehmerinnen zusätzlich MRT-Daten des Gehirns vorlagen. Das durchschnittliche Alter bei der Menopause lag bei 50,2 ± 5,1 Jahren, sodass die Bildgebung im Mittel rund 25 Jahre nach der Menopause erfolgte. Analysiert wurden zwei kognitive Maße – general cognitive ability und fluid intelligence – sowie das Volumen der grauen Substanz im Gehirn.
Das Ergebnis lässt sich knapp zusammenfassen: Je später die Menopause, desto besser waren im Mittel die kognitiven Testergebnisse und desto größer war das Volumen der grauen Substanz. Der Zusammenhang war statistisch signifikant (z. B. t = 2,20; p = 0,028 für die allgemeine kognitive Leistung).
Auf den ersten Blick scheint das gut zu einer verbreiteten Auffassung zu passen: Der Verlust ovarieller Östrogene könnte langfristig strukturelle Veränderungen im Gehirn begünstigen und damit auch die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen. Die Effektgrößen sind allerdings klein. In der Größenordnung entspricht der beobachtete Unterschied einem solchen, der in vielen Studien ungefähr einigen Jahren normalen kognitiven Alterns entspricht. Dies wiederum betrifft Männer genauso wie Frauen.
Spannend wird es, wenn man die Struktur der Analyse genauer betrachtet. Die Studie modelliert den Zusammenhang zwischen Menopausealter und Kognition, kontrolliert dabei aber nur für das chronologische Alter der Teilnehmerinnen. Mathematisch hängt das Menopausealter jedoch zwangsläufig mit einer weiteren Größe zusammen: der Zeit seit der Menopause. Eine Frau mit Menopause mit 45 Jahren ist – bei gleichem aktuellen Alter – schlicht länger postmenopausal als eine Frau mit Menopause mit 55 Jahren.
Damit bleibt offen, welche biologische Interpretation eigentlich zutrifft. Zwei Hypothesen sind denkbar.
Die erste wäre, dass eine frühe Menopause ein Marker für beschleunigtes biologisches Altern ist. In diesem Fall würden Ovarialalterung, vaskuläre Alterung und neuronale Alterung parallel verlaufen. Die zweite Möglichkeit ist eine klassische Expositionshypothese: Entscheidend wäre nicht das Menopausealter selbst, sondern die Dauer des Östrogenmangels. Dann würde eine längere postmenopausale Phase – unabhängig vom genetischen Alterungsprozess – zu subtilen Veränderungen im Gehirn beitragen.
Die vorliegenden Daten können diese beiden Modelle nicht auseinanderhalten. Auch die Mediation über das Volumen der grauen Substanz bleibt vorsichtig zu interpretieren, da sowohl die strukturellen Unterschiede als auch die kognitiven Effekte relativ klein sind.
Nach meiner Auffassung interpretiere ich die Daten als weiteren Hinweis darauf, dass das Menopausenalter mit verschiedenen Aspekten der späteren Gesundheit korreliert – von kardiovaskulären Risiken bis hin zu subtilen Veränderungen der Gehirnstruktur.
Das Menopausenalter könnte ein Marker für systemische Alterungsprozesse sein, die sich gleichzeitig im Ovar, im Gefäßsystem und im Gehirn manifestieren.
Die Studie liefert dafür keinen endgültigen Beweis – aber sie fügt dem Puzzle ein weiteres, durchaus interessantes Teil hinzu.
Ihr
Michael Ludwig
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