Eine lesenwerte Übersichtsarbeit zu Patientinnen mit Turner Syndrom geht auch auf die Notwendigkeit einer hormonellen Substitution ein. (Helen E. Turner et al. Approach to the Patient With Turner Syndrome. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2026; 111: 268-279. DOI:
10.1210/clinem/dgaf517)
Die Autor:innen favorisieren dabei transdermales Östradiol und mikronisiertes Progesteron. Sie stützen sich dabei auf Empfehlungen von Fachgesellschaften.
Grundsätzlich ist gegen diese Form der Substitution nichts einzuwenden – sie vermeidet das Risiko von Thrombosen, reduziert – wahrscheinlich – das arterielle Risiko in dieser Hoch-Risiko-Gruppe. Kritisch ist diese Empfehlung dennoch, denn die Autor:innen weisen auch auf die notwendige lebenslange Substitution hin und vergleichsweise hohe Zielwerte von 100-150 pg/ml Östradiol. Sie differenzieren nicht zwischen verschiedenen Altersgruppen, es geht nicht ausschließlich um die Induktion der Pubertät.
Die Autor:innen verweisen darauf, dass transdermales Östradiol eine positive Wirkung auch auf das Uteruswachstum habe.
Wie gesagt, ist gegen die Empfehlung, dass man auch (!) mit einer klassischen transdermalen HRT substituieren kann, überhaupt nicht falsch und in Einzelfällen das Beste, was man empfehlen kann. In meinen Augen ist bei Patientinnen mit prämaturer Ovarialinsuffizienz stets kritisch, diejenige Therapie zu finden, die diese Patientinnen bereit sind, bis ins mittlere Menopausenalter, d.h. Anfang der 6. Lebensdekade, anzuwenden. Insofern ist ein weiterer Teilsatz in dieser Übersichtsarbeit sehr wichtig: „Patient compliance and preference … is essential as the ultimate goal … is to improve outcomes.“ Man muss diejenige Therapie suchen, die eine Patientin bevorzugt und mit hoher Therapieadhärenz lange fortführt – das dürfen wir in dieser und ähnlichen Sitautionen nie vergessen.
Ihr
Michael Ludwig
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