Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Peri- und Postmenopause. Eine sehr große Querschnittsanalyse mit fast 50.000 Frauen hat versucht, das gesundheitliche Risiko von Schlafstörungen zu quantifizieren. (Claudio N. Soares et al. The burden of sleep disturbances on quality of life and mental well-being in nearly 50,000 perimenopausal and postmenopausal women with and without concurrent vasomotor symptoms. Menopause 2026;33:im Druck. DOI: 10.1097/GME.0000000000002654)

Die Daten stammen aus dem National Health and Wellness Survey (NHWS), einem großen, bevölkerungsrepräsentativ angelegten Onlinepanel. Analysiert wurden 27.621 Frauen aus den USA und 20.220 Frauen aus Europa (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, UK), alle im Alter von 40 bis 65 Jahren. In den USA waren 6.005 (21,7 %) perimenopausal und 21.616 (78,3 %) postmenopausal; in Europa 5.312 (26,3 %) peri- und 14.908 (73,7 %) postmenopausal. Das mittlere Alter lag bei rund 48,5 Jahren in der Perimenopause und 57–58 Jahren in der Postmenopause, sowohl in den US- als auch den europäischen Kohorten. Perimenopausal definierten die Autor:innen Frauen mit unregelmäßigen Zyklen oder < 12 Monaten seit der letzten Menstruation, postmenopausal entsprechend > 12 Monate Amenorrhoe.

Entscheidend für die Aussagekraft der Studie ist die feine Stratifizierung nach vasomotorischen Beschwerden und Schlafstörungen. Die Autor:innen bilden vier klar getrennte Symptomgruppen: (1) weder vasomotorische Beschwerden noch Schlafstörungen, (2) nur vasootorische Beschwerden, (3) nur Schlafstörungen, (4) beides – Schlafstörungen und vasomotorische Beschwerden. Als vasomotorische Beschwerden gelten selbstberichtete Hitzewallungen/Nachtschweiß in den letzten 12 Monaten. Schlafstörungen werden definiert über mindestens wöchentliche Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten, Tagesmüdigkeit oder schlechten Schlaf. Diese Kategorisierung erlaubt es, den Effekt von Schlafproblemen getrennt vom Effekt vasomotorischer Symptome zu betrachten – ein großer methodischer Vorteil gegenüber vielen anderen Arbeiten, in denen Schlafprobleme und vasomotorische Beschwerden nicht so kritisch differenziert betrachtet werden

Schon die Prävalenzdaten machen deutlich, wie groß die Last ist: Insgesamt berichteten 53,8 % der US-Frauen (14.851/27.621) und 51,3 % der europäischen Frauen (10.375/20.220) relevante Schlafstörungen. Betrachtet man die Gruppen differenziert nach vasomotorischen Beschwerden, zeigt sich ein sehr konsistentes Bild: Unter den perimenopausalen Frauen hatten mit vasomotorischen Beschwerden 61,7 % (USA) bzw. 60,6 % (Europa) Schlafstörungen, ohne waren es immer noch 38,0 % (USA) und 40,8 % (Europa). In der Postmenopause lagen die entsprechenden Werte mit vasomotorischen Beschwerden bei 66,7 % (USA) und 63,4 % (Europa), ohne immer noch bei 44,5 % (USA) bzw. 40,9 % (Europa). Anders formuliert: Selbst Frauen ohne vasomotorische Beschwerden haben in dieser Altersgruppe in rund vier von zehn Fällen klinisch relevante Schlafprobleme – und mit klettert der Anteil auf knapp zwei Drittel.

Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) wurden mehrere validierte Instrumente verwendet: SF-36 bzw. SF-12v2 (mental und physical component summary), EQ-5D-5L und EQ-VAS. In multivariablen linearen Regressionsmodellen – adjustiert u. a. für Alter, Bildungsstand, BMI, Komorbiditäten, weitere Schlafsymptome – zeigten sich konsistent niedrigere HRQoL-Scores bei Frauen mit Schlafstörungen, unabhängig davon, ob zusätzlich vasomotorische Beschwerden vorlagen. Unter den postmenopausalen Frauen wiesen alle Subgruppen mit Schlafstörungen signifikant schlechtere HRQoL-Werte auf als Frauen ohne Symptome; dies galt für alle vier HRQoL-Messinstrumente und in beiden Regionen (USA und Europa, jeweils P < 0,001). Bemerkenswert: In beiden Kontinenten hatten postmenopausale Frauen mit Schlafstörungen allein niedrigere HRQoL-Scores als Frauen mit nur vasomotorischen Beschwerden, was die Bedeutung von Schlaf als eigenständigem Belastungsfaktor unterstreicht.

Auch die psychische Gesundheit war klar mit der Schlafqualität verknüpft. Depressive Symptome wurden mittels PHQ-9, Angstsymptome mit GAD-7 erfasst. Im Ergebnis hatten Frauen mit Schlafstörungen und vasomotorischen Beschwerden die höchsten geschätzten marginalen Mittelwerte (EMMs) für PHQ-9 und GAD-7, gefolgt von Frauen mit Schlafstörungen allein. Für postmenopausale Frauen lagen die PHQ-9-EMMs z. B. bei etwa 5,3 (USA) und 5,1 (Europa) in der Gruppe „Schlaf & vasomotorsiche Beschwerden“; die Gruppe mit „nur Schlafstörungen“ lag mit 5,0 (USA) und 4,5 (Europa) kaum dahinter. Ein ähnliches Muster zeigte sich bei GAD-7 (etwa 3,8–5,1 Punkte mit Schlaf + VMS, 3,4–4,5 mit Schlafstörungen allein). Nach Adjustierung für zahlreiche Kovariablen hatten sowohl peri- als auch postmenopausale Frauen mit Schlafstörungen – mit oder ohne VMS – signifikant höhere PHQ-9- und GAD-7-Scores als Frauen ohne Symptome (P < 0,001 für postmenopausal, P < 0,05 für perimenopausal).

Was bedeutet das gesundheitlich? Im Diskussionsteil betonen die Autor:innen, dass ihre Ergebnisse die schon zuvor beschriebene Rolle von Schlafstörungen als Marker und Mitverursacher abnehmender psychischer Gesundheit in der Menopause unterstützen. Sie verweisen explizit auf das Konzept der Peri- und frühen Postmenopause als „window of vulnerability“ für depressive Störungen und Angststörungen und ordnen ihre Befunde in diese Vulnerabilitätsspanne ein: Schlafstörungen sind in diesem Fenster hochprävalent und klar mit schlechterer psychischer Verfassung verknüpft. Zusätzlich verweisen sie auf Arbeiten, die symptomatische „Cluster“ in der Menopause beschrieben haben – inklusive Subgruppen, in denen Schlafprobleme stärker im Vordergrund stehen als VMS, was auf teilweise unterschiedliche pathophysiologische Pfade der beiden Symptomkomplexe hinweist.

Zu langfristigen somatischen Folgen (z. B. kardiometabolische Risiken, Demenz) äußert sich die Studie nur indirekt über die Referenzierung der allgemeinen Literatur zu Schlafstörungen; eigene Outcome-Daten dazu liegen nicht vor. Es bleibt also beim – plausiblen – Modell: Schlechter Schlaf ist in dieser Lebensphase mit deutlicher Einbuße von HRQoL und höherer psychischer Belastung verknüpft; ob eine gezielte Behandlung von Insomnie in dieser Zeit diese Risiken kausal senkt, kann diese Querschnittsanalyse nicht beantworten. Methodisch nennen die Autor:innen die üblichen Einschränkungen: Querschnittsdesign ohne Kausalitätsnachweis, reine Selbstberichte mit möglicher Fehlklassifikation (insbesondere bei der VMS-Definition), potenzielle Selektionsbias (Internetzugang, Teilnahmebereitschaft) sowie Residualkonfounding trotz umfangreicher Adjustierung.

Trotz dieser Limitationen ist die Botschaft aus klinischer Sicht schwer zu ignorieren: In dieser sehr großen und geographisch breiten Stichprobe waren Schlafstörungen häufiger als vasomotorische Beschwerden, sie traten oft unabhängig von vasomotorischen Beschwerden auf und waren konsistent mit schlechterer Lebensqualität sowie mehr Depressions- und Angstsymptomen assoziiert.

Ihr

Michael Ludwig