Eine große Bevölkerungsstudie aus Australien ruckelt an dem Statement, dass so ziemlich alle Beschwerden zwischen 40 und 60 Jahren hormonell bedingt seien. (Rakibul M .Islam et al. Prevalence and severity of symptoms across the menopause transition: cross-sectional findings from the Australian Women’s Midlife Years (AMY) Study. Lancet Diabetes Endocrinology 2025; 13: 765-776)

Über 5.509 Frauen zwischen 40 und 69 Jahren nahmen an der sogenannten AMY-Study teil – eine bevölkerungsrepräsentative Untersuchung. Die Frauen wurden nach den international etablierten STRAW+10-Stadien eingeteilt (Prämenpause, frühe und späte Perimenopause, Postmenopause in Altersgruppen). Erfasst wurden die Symptome mit dem validierten MENQOL-Fragebogen.

Nach Adjustierung auf Alter, BMI und andere Faktoren waren die vasomotorischen Symptome die einzigen, die stark und konsistent mit dem Menopausenstadium assoziiert waren (adjusted prevalence ratio bis knapp 5). Die Wahrscheinlichkeit betrug etwa 40 %.

Das Symptom vaginale Trockenheit zeigte ebenfalls eine deutliche Zunahme: von 12 % in der Prämenopause auf etwa 20 % in der späten Perimenopause, 27 % bei 55–59 Jahren und schließlich 31 % bei 60–69 Jahren. Adjustiert lag das Risiko mehr als doppelt so hoch wie in der Prämenopause (aPR 2,54; 95 % CI 1,92–3,35).

Viele Symptome, die in der Lebensmitte weit verbreitet sind, erwiesen sich als multifaktoriell – häufig, aber nicht durch die Menopause selbst getriggert. Dazu gehörten Muskuloskelettale Schmerzen (30–50 % je nach Stadium), Stimmungseinbrüche (27–33 %), Gedächtnisprobleme („poor memory“) (bis 45 %). Nach Adjustierung verschwanden die Unterschiede zwischen den Stadien weitgehend. Hier spielen Faktoren wie Alter, Lebensstil, Stress, Komorbiditäten und psychosoziale Belastungen eine größere Rolle als die Hormonlage.

Die Studie liefert eine wichtige Korrektur: „Häufig“ bedeutet nicht automatisch hormonbedingt. Sicher mit der Menopause verknüpft sind v. a. Hitzewallungen/Nachtschweiß und vaginale Trockenheit.

Andere Beschwerden können in der Lebensmitte auftreten, sollten aber nicht vorschnell als hormonell etikettiert werden – sonst besteht die Gefahr, zugrunde liegende andere Ursachen zu übersehen.

Ihr

Michael Ludwig