Viele Frauen erleben peri- und postmenopausal Schlafprobleme – das ist bekannt. Was ist der Grund? Und wie gut ist die Evidenz, dass die hormonellen Umstellungen selbst den Schlaf beeinträchtigen? Eine systematische Übersichtsarbeit nimmt sich dieses Themas an – und kommt zu einem differenzierten, teils ernüchternden Befund. (Claudio N. Soares et al. Impact of sleep disturbances on health-related quality of life in postmenopausal women: a systematic review. Menopause 2025; im Druck: 10.1097/GME.0000000000002633)
Laut der Publikation sind 35–60 % der postmenopausalen Frauen von Schlafstörungen betroffen – in manchen Regionen, etwa Taiwan, sogar bis zu 73 %. Auch Frauen ohne Hitzewallungen berichten häufig über schlechten Schlaf.
Aus physiologischer Sicht spricht einiges dafür, dass die hormonellen Veränderungen in der Peri- und Postmenopause direkt den Schlaf beeinflussen. Östradiol moduliert Neurotransmitter wie Serotonin und GABA, reguliert die Körpertemperatur und beeinflusst die Melatonin-Ausschüttung. Progesteron wirkt sedierend über GABA-A-Rezeptoren. Der Abfall beider Hormone könnte also zu einer gestörten Schlafarchitektur führen, auch ohne nächtliche vasomotorische Beschwerden.
So überzeugend die Hypothesen zu einem hormonellen Zusammenhang klingen, die Evidenz für einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Hormonveränderungen und gestörtem Schlaf ohne vasomotorische Beschwerden ist bisher nur begrenzt. Viele Studien sind als Querschnittstudien nicht geeignet Kausalitätsaussagen zu treffen. Weitere Risikofaktoren wie Depressionen, Bewegungsmangel, Schmerzen und Lebensstil werden oder können oft nicht ausreichend adjustiert. In der aktuellen Übersichtsarbeit wird bei 35 % der eingeschlossenen Studien ein hohes Risiko für einen Bias angenommen.
Der Beleg dafür, dass eine menopausale Hormontherapie gegen Schlafstörungen außerhalb der Therapie vasomotorischer Beschwerden hilft, fehlt weitestgehend. In einer anderen Übersichtsarbeit in derselben Zeitschrift wurde kürzlich betont, dass eine menopausale Hormontherapie bei Frauen ohne vasomotorische Beschwerden kaum überzeugende Effekte auf den Schlaf zeigt. (P.M. Maki et al. Sleep disturbance associated with the menopause. Menopause 2024;31:724-733. doi:10.1097/GME.0000000000002386)
Wichtig für unsere praktische Tätigkeit ist also, die Frequenz von Schlafstörungen nicht zu unterschätzen aber auch die Grenzen einer menopausalen Hormontherapie zur Therapie von Schlafstörungen zu kennen. Progesteron oral zur Nacht ist immer eine Möglichkeit, den Schlaf zu beeinflussen – das wiederum hat aber nichts mit einer „Hormontherapie“ zu tun sondern mit der bereits schon häufiger besprochenen pharmakologischen Wirkung von Progesteron am GABA-Rezeptor. Insofern sollte man außerhalb einer hormonellen Therapie, wenn vasomotorische Beschwerden fehlen, über andere Strategien nachdenken, die eine gesunde Schlafhygiene fördern.
Ihr
Michael Ludwig
Hinterlassen Sie einen Kommentar
You must be logged in to post a comment.