Neue Daten aus Spanien und Belgien zeigen: Der BMI des Mannes beeinflusst Embryonalentwicklung und Fehlgeburtsrisiko – selbst bei gespendeten Eizellen. In der Reproduktionsmedizin steht meist die Frau im Fokus. Der BMI des Mannes spielt in der klinischen Praxis bislang eine deutlich geringere Rolle. Eine große, retrospektive Kohortenstudie aus Spanien und Belgien stellt dieses Ungleichgewicht nun infrage. (Andreu Quintana-Vehí et al. Male obesity impairs early embryonic development and increases miscarriage risk in oocyte donation cycles. Fertility & Sterility 2025; im Druck: doi: 10.1016/j.fertnstert.2025.09.035)

Analysiert wurden 1.398 ICSI-Zyklen mit 7.846 Embryonen, alle mit gespendeten Eizellen. Damit konnten maternale Faktoren weitgehend ausgeschlossen werden – ein methodisch starker Ansatz, um rein paternale Einflüsse zu untersuchen. Männer wurden nach WHO-Kriterien in Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²) eingeteilt.

Embryonen von adipösen Männern zeigten eine verzögerte frühe Teilung, die Qualität der inneren Zellmasse war signifikant schlechter. Das Abortrisiko war erhöht. „Gröbere“ Parameter wie die Befruchtungs-, Implantations- und klinische Schwangerschaftsrate wurden durch den Faktor „BMI des Mannes“ nicht beeinflusst.

Die Autoren diskutieren, dass Spermien adipöser Männer veränderte RNA- und Proteinprofile tragen, die bereits vor der embryonalen Genomaktivierung die frühe Entwicklung beeinflussen können.

Spannende Daten, sehr valide durch den gewählten Studienansatz mit Eizellspende-Zyklen. Offen bleibt die Frage, ob wohl eine Gewichtsreduktion des Mannes vor einer IVF-Therapie daran etwas ändern würde, da wir in den letzten Jahren aus anderen Studien lernen mussten, dass die kurzfristige Gewichtsreduktion von adipösen Frauen vor einer geplanten Schwangerschaft wenig bringt bzgl. einer schnelleren Konzeption und einer unkompliziert verlaufenden Schwangerschaft.

Ihr

Michael Ludwig