Vasomotorische Symptome gehören zu den häufigsten Beschwerden peri- und postmenopausal.  Traditionell werden Hitzewallungen und Nachtschweiß als Varianten derselben physiologischen Störung behandelt – meist unter dem gemeinsamen Oberbegriff „vasomotorische Beschwerden“.

Eine neue Studie aus Massachusetts stellt diese Gleichsetzung nun in Frage. (Sofiya Shreyer et al. Distinguishing hot flashes and night sweats: a mixed-method analysis. Menopause 2026;33: im Druck. DOI: 10.1097/GME.0000000000002646)

Untersucht wurden 274 Frauen im Alter von 45–55 Jahren, unabhängig davon, ob sie vasomotorische Beschwerden hatten oder nicht. Frauen unter Hormontherapie oder hormoneller Kontrazeption waren ausgeschlossen.

Die Datenerhebung umfasste:

  • Hautleitfähigkeitsmessungen (EDA) über 18 Stunden zur objektiven Erfassung,
  • Aktigraphie zur Bestimmung der Schlafzeiten,
  • Fragebögen zu Stress (Perceived Stress Scale), Depression (PHQ-9) und Schlafqualität (Pittsburgh Sleep Quality Index, PSQI),
  • qualitative Interviews mit 97 Teilnehmerinnen über ihre Erfahrungen mit Tag- und Nachtsymptomen.

Klassische Hitzewallungen wurden mit einer Dauer von etwa 3,4 Minuten, Nachtschweiß mit einer Dauer von 60,5 Minuten angegeben. Nachtweiß dauerte in einzelnen Situationen über Stunden an.

Nachtschweiß trat etwa eine Stunde früher in der Nacht auf als Hitzewallungen.

Im Verlauf des menopausalen Übergangs nahmen Hitzewallungen zu, Nachtschweiß eher ab.

In den Interviews beschrieben Frauen Nachtschweiß als „lang anhaltendes, großflächiges Schwitzen“, oft ohne Hitzegefühl oder Angst, während Hitzewallungen als „kurz, heiß, abrupt, mit innerer Unruhe“ empfunden wurden. Zudem waren Hitzewallungen nicht großflächig sondern beschränkt auf den Nacken, Hals und Kopf.

Die objektiv gemessenen Parameter (Anzahl, Dauer, Zeitpunkt) korrelierten nicht signifikant mit Stress, Depression oder Schlafqualität. Dagegen zeigten sich bei den subjektiv berichteten Symptomen (also „wie sehr sie stören“) bei Hitzewallungen ein signifikanter Zusammenhang mit Depressionen (OR 1,11, 95 % KI 1,02 – 1,20) und schlechterer Schlafqualität (OR 1,28, 95 % KI 1,09 – 1,50), bei Nachtschweiß mit Stress (OR 1,04, 95 % KI 1,00 – 1,09) und Depressionen (OR 1,12, 95 % KI 1,04 – 1,20).

Der relevante Punkt ist meiner Meinung nach dabei, dass es eben nicht nur um die Messgrößen geht, sondern v.a. darum, wie vasomotorische Beschwerden empfunden werden. Das spiegelt sich wieder in der Praxiserfahrung – das Leiden unter vasomotorischen Beschwerden ist nicht immer direkt korreliert mit Zahl und Schwere an Hitzewallungen.

Die Autoren argumentieren, dass die beiden Entitäten zwar beide vasomotorisch, aber physiologisch unterschiedlich getriggert sind. Hitzewallungen entstehen durch eine plötzliche Hypothalamus-Dysregulation durch den Östrogenmangel, eine enge thermoneutrale Zone und sympathische Aktivierung. Nachtschweiß ist eine Folge der Störung der nächtlichen Thermoregulation, möglicherweise Schlafphasen-abhängig (tiefer Schlaf, frühe Nacht). Hitzewallungen werden verstärkt durch emotionale Reaktivität, Nachweiß durch Stress oder Verschiebungen im zirkadianen Rhythmus.

Einschränkend muss man aber sehen, dass Effektstärken (OR 1,04–1,12) sehr gering sind, wenn auch statistisch signifikant.

Interessant wären weitere Messungen wie die Zuordnung der Ereignisse zu den Ergebnissen einer Polysomnographie (also REM- oder Non-REM-Phasen). Möglicherweise braucht es weitere psychologische Messinstrumente, um die unterschiedlichen Trigger besser herauszuarbeiten.

In jedem Fall eine spannende, differenzierte und gut gemachte Arbeit.

Ihr

Michael Ludwig