Die bislang größte digital erhobene Kohortenstudie zur Prävalenz von Anzeichen eines möglichen Androgenüberschusses liefert verlässliche altersabhängige Zahlen. (Wolf AT et al. Signs of Potential Androgen Excess Across the Lifespan in a US-based Digital Cohort Study. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2025;110:1667–1679. DI: 10.1210/clinem/dgae674)

Die Daten stammen aus der US-amerikanischen Apple Women’s Health Study, an der über 24.000 Frauen im Alter von 18 bis 86 Jahren teilnahmen. In einer App-basierten Erhebung wurden vier Symptome systematisch abgefragt: grobe Körperbehaarung an mindestens vier von acht typischen androgenempfindlichen Stellen (z. B. Oberlippe, Brust, Rücken), was von den Autor:innen als „möglicher Hirsutismus“ klassifiziert wurde, sowie das Ausmaß der Kinnbehaarung, sichtbarer Haarausfall am Scheitel und das Vorhandensein von moderater bis schwerer Akne. Die Formulierung „möglich“ ist hier bewusst gewählt: Die Studie erhob keine klinischen Scores, war insofern ohne diagnostischen Anspruch.

Die Häufigkeit dieser Symptome war insgesamt beträchtlich: 6,9 % der Frauen berichteten über möglichen Hirsutismus, 12,6 % über Kinnbehaarung, 1,7 % über sichtbaren Haarausfall und 31,8 % über moderate bis schwere Akne. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede in Abhängigkeit von hormoneller Kontrazeption: Frauen mit hormoneller Verhütung berichteten seltener über drei der Symptome: Hirsutismus 4,8 % vs. 7,8 %, viel Kinnbehaarung 0,8 % vs. 3,5 %, 3,5 %, beginnenden Haarausfall 13,3 % vs. 18,6 %. Bzgl. der Akne ergab sich kein Unterschied abhängig davon, ob Hormone genommen wurden oder nicht. Allerdings wurden keine detaillierten Angaben zur Art der Kontrazeption gemacht – es ist also nicht bekannt, ob es sich um kombinierte Östrogen-Gestagen-Präparate mit Ethinylöstradiol oder andere hormonelle Methoden handelte.

Besonders aufschlussreich ist der altersabhängige Verlauf. Während Akne bei den Jüngsten mit 44,2 % am häufigsten war und bei über 70-Jährigen nur noch 3, % betrug, nahm eine beginnende Kinnbehaarung im gleichen Zeitraum von 15,7  % auf 41,8  %, eine starke von 0,7 % auf 3,1 % zu. Ein beginnender Haarausfall auch ohne freie Stellen betraf 14,2 % der jüngsten und 27,7 % der ältesten Altersgruppe. Sichtbarer Haarausfall stieg von 0,7 % bei jungen Frauen auf 5 % in der ältesten Gruppe. Der Anteil an Frauen mit möglichem Hirsutismus sank hingegen deutlich mit dem Alter – von 7,8 % in der Altersgruppe 18–22 Jahre auf nur noch 0,9 % bei Frauen über 70.

Eine sehr gute Datenbasis zur Prävalenz der kosmetisch störenden Androgenisierung.

Ihr

Michael Ludwig