Ein systematischer Review zum Thema Osteoprotektion bei prämaturer Ovarialinsuffizienz wurde unternommen und publiziert. (Alexa Fine et al. Comparing estrogen-based hormonal contraceptives and hormone therapy on bone mineral density in women with premature ovarian insufficiency: a systematic review. Menopause, im Druck) Die Autorinnen konnten 3 prospektive, randomisierte Studien und 2 Beobachtungsstudien zu dem Thema identifizieren. Primär ging es um die Frage, ob eine klassische Hormontherapie und kombinierte Kontrazeptiva gleichwertig sind, was die Osteoprotektion angeht.

Grundsätzlich führten beide Regime zu einer Osteoprotektion.

4 Studien erlaubten einen direkten Vergleich. 2 der randomisierten Studien zeigten einen Vorteil der Hormontherapie gegenüber kombinierten Kontrazeptiva, eine Beobachtungsstudie zeigte keinen Unterschied zwischen den Behandlungsansätzen, eine andere fand Vorteile kombinierte Kontrazeptiva gegenüber einer normal dosierten HRT mit 0,625 mg equinen Östrogenen und vergleichbare Wirkung bei hoch-dosierter HRT mit 1,2 mg equinen Östrogenen – jeweils verglichen mit einem Präparat mit 30 µg Ethinylöstradiol.

Wenn sich die Option ergibt und die Patientin dies wünscht könnte man also mit einer kombinierten klassischen HRT ggf. mehr erreichen als mit einem kombinierten Kontrazeptivum. Grundsätzlich vorteilhaft wäre das kombinierte Kontrazeptivum in jedem Fall auch. Wenn man auch bedenkt, dass Frauen mit prämaturer Ovarialinsuffizienz häufig ihre hormonelle Substitution nur für wenige Jahre, viel zu kurz, durchführen, unterbrechen oder abbrechen, ist die individuelle Vorstellung der einzelnen Patientin das Wichtigste bei der Entscheidungsfindung für eine klassische HRT oder ein kombiniertes Kontrazeptivum. Zudem mögen weitere nicht-kontrazeptive Vorteile kombinierter Kontrazeptiva in die Abwägung eingehen, wie z.B. eine positive Auswirkung auf den Androgenhaushalt, kosmetische Aspekte etc.

Ihr

Michael Ludwig