Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM) sind bis zu 60 % aller postmenopausalen Frauen betroffen. Insofern ist dies das langfristigste Problem der Menopause. Eine aktuelle Studie aus der Türkei hat die Frage addressiert, wie sich das „vaginale Altern“ auf die Sexualität auswirkt. (Fatma Keskin Töre et al. The relationship between vaginal aging and sexual quality of life in postmenopausal women. Menopause 2025; im Druck: DOI: 10.1097/GME.0000000000002639)

Die Autorinnen nutzten für ihre Untersuchung bei 210 postmenopausalen Frauen zwischen 45 und 59 Jahren die validierte Day-to-Day Impact of Vaginal Aging (DIVA)-Skala. Sie fragt nicht nach einzelnen Symptomen wie „Trockenheit ja/nein“, sondern danach, wie sehr vaginale Veränderungen das Leben beeinflussen. Dies wird von der DIVA-Skala auf vier Ebenen erfasst: (1) Alltagsaktivitäten, (2) Emotionales Wohlbefinden, (3) Sexuelle Funktion und (4) Selbstkonzept / Körperbild. Parallel wurde die Sexual Quality of Life-Female (SQOL-F)-Skala erhoben.

Zwischen vaginalem Altern (DIVA) und sexueller Lebensqualität (SQOL-F) zeigte sich ein klarer negativer Zusammenhang. Am stärksten war die Korrelation bei der Subskala Self-concept/Body image (r = –0.587, p < 0.001). Sexuelle Funktion (r = –0.47), emotionales Wohlbefinden (r = –0.38) und Alltagsaktivitäten (r = –0.32) hatten einen geringeren Einfluss.

Mit anderen Worten: Frauen, die ihr Selbstbild durch die vaginalen Veränderungen besonders beeinträchtigt sehen, berichten die größten Einschränkungen ihrer Sexualität. Die Daten legen nahe, dass es nicht nur (!) die körperlichen Beschwerden selbst sind, die die Sexualität belasten, sondern auch die individuelle Verarbeitung. Frauen mit einem stabileren Selbstbewusstsein, vielleicht größerer Resilienz, könnten weniger stark darunter leiden, dass vaginale Veränderungen ihr Körperbild beeinflussen. Damit wäre das Selbstbild eine Art „Filter“, der bestimmt, wie sehr sich GSM-Symptome auf die Sexualität auswirken.

Mit dieser Auslegung der Daten möchte ich in keiner Weise die Symptome des GSM in ihrer Bedeutung mindern! Da die einzelnen Symptome nicht erfasst wurden, lässt sich tatsächlich nicht ausschließen, dass Frauen mit stärker belastetem Selbstbild auch eine objektiv schwerere Atrophie und mehr Schmerzen hatten.

Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass alleine das Altern, die Menopause, der Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit eher unbewusst als bewusst einen starken Einfluss auf das Selbstbild nimmt. Damit bin ich wieder bei „meinem“ Thema, schon häufiger addressiert in diesem Blog, dass es bei den Menopause-assoziierten Beschwerden häufig auch um die Frage geht, wie sich eine Frau in der patriarchalisch strukturierten Gesellschaft sieht und wie relevant doch die „Fortpflanzungsfähigkeit“ ein relevanter Punkt bei dieser Positionierung ist.

Die Publikation zeigt, dass vaginales Altern, wie die Autorinnen es nennen, kein rein lokales Problem ist. Es wirkt in das Selbstbild hinein – und genau dort entscheidet sich maßgeblich, wie stark die Sexualität leidet.

Dennoch bleibt vor allem eines wichtig: Symptome des GSM müssen angesprochen werden, eine Therapie muss angeboten werden.

Ihr

Michael Ludwig