Dyspareunie betrifft je nach Studie 50 bis 90 % der postmenopausalen Frauen. Eine neue randomisierte Studie hat vaginales Östriol gegenüber einem hormonfreien Gleitgel (n = 42) über 12 Wochen verglichen. In der Therapiegruppe mit 1 mg Östriol alle 2 Tage wurde zudem zwischen der distalen Anwendung (Introitus) (n = 37) und der proximalen (oberes Drittel der Vagina) (n = 37) differenziert. (de Paula SR et al. The use of vaginal estriol and its effects on sexual intercourse and serum estriol levels in postmenopausal women. Menopause 2025;32. DOI: 10.1097/GME.0000000000002589) Primäre eEndpunkte waren die Sexualfunktion, Dyspareunie und der Serum Östriolspiegel.

Das mittlere Alter betrug etwa 55 Jahre. Alle drei Gruppen profitierten von der Intervention – sowohl in Bezug auf Lubrikation, Erregung und Schmerz, als auch auf psychische Parameter wie Angst und Depressivität. Doch während das Gleitmittel vor allem kurzfristige Effekte zeigte, konnte Östriol in beiden Applikationsformen deutlich stärker die Lubrikation und Schmerzfreiheit verbessern. Der FSFI verbesserte sich unter Therapie oder dem Gleitgel in allen Domänen signifikant – Ausnahme war das Erleben eines Orgasmus, auf das das Gleitgel keinen Einfluss hatte.

Entscheidend war auch, dass der Serum-Estriolspiegel in allen Gruppen unverändert niedrig blieb (< 0,15 ng/mL). Der Basiswert für Östriol betrug 0,14 ± 0,02 ng/ml, 0,14 ± 0,02 ng/ml bzw. 0,15 ± 0,02 ng/ml, der Serumwert nach 12 Wochen 0,15 ± 0,01 ng/ml, 0,15 ± 0,00 ng/ml bzw. 0,15 ± 0,02 ng/ml (jeweils proximal, distal, Kontrllen).

Die Ergebnisse zum sexuellen Erleben unter Östriol sind interessant aber nicht überwältigend neu. Es ist eine interessante Bestätigung durch eine randomisierte Studie. Klinisch fast wichtiger sind die Daten zu den Östriolwerten im Serum aus zweierlei Gründen. Zum einen gibt die Studie keinen Hinweis darauf, dass der Ort der Applikation einen relevanten Einfluss hätte (proximal vs. distal). Zum anderen kommt es trotz höherer Dosierung – 1 mg – nicht zu relevanten Serumspiegelveränderungen.

Ihr

Michael Ludwig