Eine Meta-Analyse aus China hat Studien zum Zusammenhang einer Thrombophilie mit dem Risiko habitueller Aborte zusammengefasst (Xiaoling Liu et al. Hereditary thrombophilia and recurrent pregnancy loss: a systematic review and meta-analysis. Human Reproduction, im Druck). 89 Studien wurden dazu zusammengefasst und fanden ein erhöhtes Risiko für die Faktor V Leiden Mutation (OR 2,44, 95% KI 1,96 – 3,03), den Prothrombin-Polymorphismus G20210A (OR 2,08, 95% KI 1,61 – 2,68) und einen Protein S Mangel (OR 3,45, 95% KI 1,15 – 10,35). Für Antithrombin- und Protein C – Mangel bestand keine Assoziation.

Also machen wir jetzt eine Rolle rückwärts zu wieder mehr Diagnostik? Sicherlich nicht. Die Daten, so die Autoren, sind schwer zu interpretieren, da weitere assoziierte Risikofaktoren nicht komplett evaluiert werden können. Die Heterogenität zwischen den unterschiedlichen Studien war hoch. Zudem ist relevant, dass die Assoziation, die hier dargelegt wird, noch nichts über eine potentielle Therapie und deren Erfolgsaussichten – in diesem Fall die Gabe von Heparin – gibt.

Eine aktuelle andere Stellungnahme beschäftigt sich auch mit habituellen Aborten und stellt in diesem Zusammenhang klar, dass ein Screening auf vererbte Thrombophilien nicht sinnvoll, da nicht evidenzbasiert ist. Einzig die Überprüfung eines Antiphospholipidsyndroms ist indiziert (Diana Alecsandru et al. Immunologic causes and thrombophilia in recurrent pregnancy loss. Fertility & Sterility, im Druck).

Bevor wir zurückkehren, zu einer massiven Diagnostik in Fällen habitueller Aborte, sollten mehr Daten und verlässliche Daten auch zu einer effektiven Therapie vorliegen. Relevant ist dabei auch zu unterscheiden, ob es sich um Frauen mit einer klinisch relevanten Thrombophilie handelt, also solchen, die eine positive Eigen- oder Familienanamnese für Thrombosen zeigen. Bei denen ist ohnehin eine Diagnostik und konsekutiv auch eine Therapie indiziert. Ansonsten reduziert sich die Diagnostik auf den Ausschluss eines Antiphospholipidsyndroms bei der Patientin und einer Chromosomenanomalie bei beiden Partnern sowie einer Hysteroskopie zum Ausschluss uteriner Fehlbildungen.

Ihr

Michael Ludwig