Unregelmäßige Zyklen, Akne und Veränderungen der Körperbehaarung sind in der Pubertät häufig. Gleichzeitig gehören genau diese Auffälligkeiten zu den zentralen Merkmalen des PCO-Syndroms/ PMOS. Die Abgrenzung zwischen normaler Entwicklung und einem beginnenden PCOS/PMOS ist deshalb schwierig.

Ein aktueller Übersichtsartikel zeigt anhand von drei Fallbeispielen, wie sich der Verdacht klinisch einordnen lässt: bei einer Jugendlichen mit ausreichend gesicherter Diagnose, bei einer Patientin mit Hyperandrogenismus, aber noch nicht sicher pathologischem Zyklus sowie bei einer Jugendlichen mit persistierender Zyklusstörung ohne nachgewiesenem Hyperandrogenismus. (Iza Franklin Roza Machado et al. Approach to the diagnosis and treatment of polycystic ovarian syndrome in adolescent patients. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2026; 111: e2179-e2192)

Die wichtigste Botschaft: Ein PCOS/ PMOS ist auch bei Adoleszentinnen immer eine Ausschlussdiagnose.

Im ersten Jahr nach der Menarche gelten unregelmäßige Zyklen noch als physiologisch. Gemäß Darstellung der vier Aurotinnen sind zwischen einem und drei Jahren danach Zyklusabstände von weniger als 21 oder mehr als 45 Tagen auffällig. Ab dem dritten Jahr gelten Zyklen von weniger als 21 oder mehr als 35 Tagen beziehungsweise weniger als acht Blutungen pro Jahr als pathologisch. Auch ein einzelner Zyklus von mehr als 90 Tagen ist ab einem Jahr nach der Menarche abklärungsbedürftig.

Für einen klinischen Hyperandrogenismus sprechen vor allem relevanter Hirsutismus oder eine schwere, persistierende und therapieresistente Akne. Eine leichte pubertäre Akne reicht nicht aus.

Multifollikuläre beziehungsweise polyzystisch erscheinende Ovarien sind in der Pubertät häufig und für sich genommen nicht pathologisch. Für Adoleszentinnen fehlen zudem ausreichend validierte sonografische Grenzwerte. Auch das AMH besitzt in dieser Altersgruppe keine ausreichende diagnostische Trennschärfe.

Sonografie und AMH sollten deshalb innerhalb der ersten acht Jahre nach der Menarche nicht zur Diagnose herangezogen werden.

Liegt lediglich eine persistierende Zyklusstörung oder lediglich ein Hyperandrogenismus vor, sollte kein PCOS/ PMOS diagnostiziert werden. Stattdessen wird die Patientin als „at risk“ eingeordnet.

Das verhindert eine vorschnelle, möglicherweise belastende Diagnose, ohne die vorhandenen Beschwerden zu ignorieren. Akne, Hirsutismus oder Zyklusstörungen können bereits behandelt werden. Gleichzeitig sollten metabolische und psychische Begleiterkrankungen im Blick bleiben.

Die erneute diagnostische Beurteilung soll laut der aktuellen Leitlinien nach der Adoleszenz, definiert als acht Jahre nach der Menarche, erfolgen.

Bei belastenden Zyklusstörungen, Akne oder Hirsutismus sind kombinierte orale Kontrazeptiva effektiv. Zur antiandrogenen Therapie wären ethinylöstradiolhaltige Präparate zu favorisieren, insofern nicht kontraindiziert.

Bei metabolischen Auffälligkeiten kann Metformin sinnvoll sein. Sind Östrogene kontraindiziert, kommen Gestagen-Mono-Präparate insbesondere zum Schutz des Endometriums infrage.

Die entscheidende klinische Haltung lautet daher: Die Behandlung darf beginnen, bevor die Diagnose endgültig feststeht. Sind die Kriterien in der Adoleszenz nicht vollständig erfüllt, ist „at risk“ mit geplanter Reevaluation die fachlich sauberere Lösung als eine vorschnelle PCOS/ PMOS-Diagnose.

Ihr

Michael Ludwig