Die Sorge vieler Paare, ob eine künstliche Befruchtung langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Kinder haben könnte, gehört zu den häufigsten Fragen in der Reproduktionsmedizin. Eine jetzt veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse liefert hierzu erneut überwiegend beruhigende Daten. (Thy Phuong Anh Le et al. Health and Development of Children Conceived Using Assisted Reproductive Technologies: A Meta-Analysis of Real-World Data. Reproductive BioMedicine Online. 2026. DOI: 10.1016/j.rbmo.2026.105837)
Die Arbeitsgruppe wertete 94 Studien aus. Nach Ausschluss überlappender Kohorten gingen 78 Studien in die eigentliche Analyse ein. Untersucht wurden unter anderem angeborene Fehlbildungen, Chromosomenanomalien, Pubertätsentwicklung, Adipositas, Hypertonie, Diabetes, Asthma, neurologische Erkrankungen, Krebserkrankungen sowie die kognitive Entwicklung von Kindern nach konventioneller IVF, ICSI und – soweit in den Originalstudien vorhanden – nach natürlicher Konzeption.
Die Ergebnisse sind insgesamt beruhigend. Für die meisten untersuchten Endpunkte unterschieden sich Kinder nach IVF, ICSI und natürlicher Konzeption kaum. Auch die absoluten Häufigkeiten angeborener Fehlbildungen waren niedrig. Unterschiede fanden sich vor allem nach ICSI: Chromosomenanomalien traten häufiger auf als nach konventioneller IVF (0,91 % vs. 0,06 %). Im Vergleich zu natürlich gezeugten Kindern zeigten sich außerdem leicht erhöhte Risiken für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Zerebralparesen sowie einzelne Fehlbildungen des Kreislauf-, Verdauungs- und Urogenitalsystems.
Die Daten unterstreichen aus meiner Sicht vor allem eine seit Langem vertretene These: Kinder, die nach einer IVF oder ICSI gesund geboren werden, entwickeln sich langfristig überwiegend unauffällig. Die Meta-Analyse bestätigt zugleich – wenig überraschend –, dass das Risiko für angeborene Fehlbildungen und insbesondere Chromosomenanomalien nach ICSI und IVF etwas erhöht ist. Wahrscheinlich spiegelt dies zumindest teilweise die zugrunde liegende Subfertilität und nicht das Verfahren wider. Zum langfristigen metabolischen Risiko dieser Kinder, das in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus gerückt ist, liefert die Meta-Analyse dagegen kaum Erkenntnisse, da hierfür bislang nach Aussage der Autor:innen zu wenige Studien vorliegen.
Ihr
Michael Ludwig
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