Viele Frauen berichten während der Wechseljahre über Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl eines „vernebelten“ Denkens. Ob dieser Brain Fog mit objektiv messbaren Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit einhergeht, ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass Frauen mit Brain Fog keine objektivierbaren Zeichen einer Demenz zeigen oder eine solche entwickeln.

Eine aktuelle Studie untersuchte diese Frage bei 14.234 Frauen zwischen 45 und 55 Jahren. (Laura F. Naysmith et al. Cognition and the menopause transition: cross-sectional evidence from a large community cohort. npj Women’s Health | 2026;4:14. DOI: 10.1038/s44294-026-00132-z)

Die Teilnehmerinnen wurden anhand ihrer Angaben zum Menstruationszyklus als prä-, peri- oder postmenopausal eingeordnet. Anschließend absolvierten sie acht computergestützte Tests zu Gedächtnis, Aufmerksamkeit, räumlicher Verarbeitung und schlussfolgerndem Denken.

Wie erwartet, wurden subjektive Beschwerden während und nach der Menopause häufiger angegeben. Verglichen mit prämenopausalen Frauen berichteten perimenopausale Teilnehmerinnen häufiger über Brain Fog (OR 1,31, 95 % KI 1,18-1,35) und Gedächtnisprobleme (OR 1,28, 95 % KI 1,14-1,43). Auch postmenopausal waren Brain Fog (OR 1,19, 95 % KI 1,09-1,30) und Gedächtnisprobleme (OR 1,13, 95 % KI 1,08-1,32) häufiger.

In den objektiven Tests zeigte sich dagegen kein entsprechender Leistungsabfall. Die perimenopausalen Teilnehmerinnen schnitten bei der globalen Testgenauigkeit sogar geringfügig besser ab als die prä- und postmenopausalen Gruppen. Die Unterschiede betrugen lediglich 0,03 bis 0,06 Standardabweichungen und waren damit sehr klein. Auch bei den Reaktionszeiten fanden sich keine relevanten Gruppenunterschiede.

Besonders aufschlussreich war die Verbindung zwischen subjektiven und objektiven Ergebnissen: Brain Fog und Gedächtnisbeschwerden korrelierten nur sehr schwach mit der gemessenen kognitiven Leistung. Deutlich stärker war ihr Zusammenhang mit psychischen Beschwerden wie Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen und gedrückter Stimmung.

Das bedeutet nicht, dass Brain Fog „nur eingebildet“ wäre. Die Beschwerden sind real, können den Alltag und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und verdienen eine ernsthafte klinische Einordnung. Die Ergebnisse sprechen aber dafür, dass sie nicht Ausdruck eines allgemeinen kognitiven Abbaus sind. Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren zusammen – beispielsweise Schlafstörungen, vasomotorische Beschwerden, Erschöpfung, psychische Belastung und hormonell bedingte Leistungsschwankungen.

Die Studie hat als Querschnittstudie Einschränkungen, auch was die begrenzte Information zum Menopausenstatus aus Selbstauskünften angeht.

Die beruhigende Botschaft lautet: Der in den Wechseljahren häufige und belastende Brain Fog ist in dieser großen Studie nicht mit einem relevanten globalen Verlust der kognitiven Leistungsfähigkeit verbunden. Beschwerden sollten deshalb weder dramatisiert noch bagatellisiert, sondern im Zusammenhang mit Schlaf, Stimmung, weiteren Wechseljahresbeschwerden und möglichen anderen medizinischen Ursachen betrachtet werden. Möglicherweise braucht man andere Tests, um diese subjektiv wahrgenommene Symptomatik zu messen.

Ihr

Michael Ludwig