Eine leichte Zunahme der Gesichtsbehaarung kann nach der Menopause vorkommen. Entwickeln sich Hirsutismus, Akne oder Haarausfall jedoch innerhalb weniger Monate, muss genauer hingesehen werden. Besonders dringlich wird die Abklärung bei Zeichen einer Virilisierung wie tiefer werdender Stimme, Klitorishypertrophie oder Muskelzunahme.

Wie wichtig das ist, zeigt der Fall, mit dem ein aktueller Übersichtsartikel zum postmenopausalen Androgenexzess beginnt: Eine 70-jährige Patientin entwickelte innerhalb von drei Monaten einen ausgeprägten Hirsutismus. Hinzu kamen Gewichtszunahme, Muskelschwäche und livide Striae. Die Androgene waren massiv erhöht, Cortisol ließ sich im Dexamethason-Hemmtest nicht supprimieren. In der Bildgebung zeigte sich schließlich ein bereits metastasiertes Nebennierenrindenkarzinom. (Lauren Madden-Doyle et al. Approach to the patient: investigation of postmenopausal androgen excess. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2026; 111: 2664-2677)

Die klinische Kernbotschaft lautet deshalb: Eine neu auftretende oder rasch zunehmende Androgenisierung nach der Menopause sollte immer eine Bestimmung der Androgene auslösen.

Zur initialen Labordiagnostik empfehlen die Autor:innen Testosteron und SHBG sowie DHEA beziehungsweise DHEAS, Androstendion und 17-Hydroxyprogesteron. FSH und LH können zusätzliche Hinweise geben. Wegen der niedrigen Konzentrationen bei Frauen sollten die Androgene möglichst mittels LC-MS/MS gemessen werden.

Die Autor:innen nennen einige Schwellenwerte, die eine weitere Abklärung rechtfertigen:

– Testosteron über 2 nmol/l, entsprechend etwa 58 ng/dl

– DHEAS über 20 µmol/l, entsprechend etwa 736 µg/dl

– Androstendion über 13 nmol/l, entsprechend 3,72 ng/ml

– gleichzeitige deutliche Erhöhungen von Testosteron, DHEA beziehungsweise DHEAS und Androstendion

Diese Werte beweisen keinen Tumor, sie liegen, bis auf die Empfehlung zum DHEAS, deutlich unterhalb einer tumorverdächtigen Schwelle! Der zeitliche Verlauf, die klinischen Symptome und die lokalen Referenzbereiche bleiben entscheidend. Ein Testosteronwert über 10 nmol/l zusammen mit supprimierten Gonadotropinen und einem einseitigen Ovarialbefund spricht allerdings für einen virilisierenden Ovarialtumor.

Die weitere Diagnostik richtet sich nach dem biochemischen Muster. Überwiegt die Erhöhung von DHEA oder DHEAS, ist eine kurzfristige Bildgebung der Nebennieren mittels nativer Computertomografie angezeigt. Bei vorwiegender Testosteronerhöhung beginnt die ovarielle Abklärung mit einem transvaginalen Ultraschall. Bleibt dieser unauffällig, kann ein MRT erforderlich sein, denn androgenproduzierende Ovarialtumoren sind häufig kleiner als ein Zentimeter und sonografisch nicht immer sichtbar.

Der 1-mg-Dexamethason-Hemmtest dient vor allem dem Nachweis eines begleitenden Cushing-Syndroms – etwa bei Muskelschwäche, zentraler Gewichtszunahme oder lividen Striae. Fehlende Cortisolsuppression verstärkt insbesondere bei gleichzeitigem Androgenexzess den Verdacht auf ein Nebennierenrindenkarzinom. In ausgewählten Fällen kommen zusätzlich ein Synacthen-Test bei erhöhtem 17-Hydroxyprogesteron infrage. Diese Empfehlung in der Publikation würde ich allerdings insofern eher zurückhaltend bewerten, da ein erst in der Postmenopause auffälliger 21-Hydroxylase-Mangel ungewöhnlich sein dürfte.

Androgenproduzierende Tumoren sind mit geschätzt rund 8 % nicht die häufigste Ursache eines postmenopausalen Androgenexzesses. Häufiger finden sich beispielsweise ein fortbestehendes PCOS/ PMOS oder eine ovarielle Hyperthekose. Die Tumoren sind jedoch klinisch relevant genug, dass sie nicht übersehen werden dürfen.

Die Bedeutung der Arbeit liegt damit vor allem in einer wichtigen Erinnerung: Androgenisierungserscheinungen, die nach der Menopause neu auftreten oder rasch fortschreiten, dürfen nicht unabgeklärt im Raum stehen bleiben.

Ihr

Michael Ludwig